Von Viktor Kalinke
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Das im 2. Jahrhundert v. u. Z. am Hof des Königs Liu An entstandene Werk verbindet Kosmologie, Naturphilosophie, Daoismus, konfuzianische Ethik, legalistische Staatskunst und weitere Wissensgebiete zu einer umfassenden Theorie weiser Herrschaft. Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass politische und gesellschaftliche Ordnung den grundlegenden Wirkprozessen des Dao entsprechen müssen. Besondere Bedeutung erhält das Huainanzi vor dem Hintergrund der vorausgegangenen Jahrhunderte, die von Krieg, politischer Zersplitterung und schließlich der streng legalistischen Qin-Herrschaft gekennzeichnet waren. Die Gelehrten aus Huainan suchen nach einer Ordnung, die Frieden und Stabilität ermöglicht, ohne auf Zwang und Kontrolle zu setzen. Der ideale Herrscher soll durch Selbstkultivierung, Aufmerksamkeit und ein Verständnis kosmischer Zusammenhänge handeln. Dabei wird die Welt nicht vereinfacht, sondern als komplexes Geflecht von Wechselwirkungen und Resonanzen verstanden.
Die Einleitung schildert die Entstehung des Werkes im politischen und geistigen Umfeld der Westlichen Han-Dynastie, beleuchtet die Gelehrtengemeinschaft am Hof von Huainan, die philosophischen Grundlagen des Werkes, seine politische Zielsetzung, seine sprachlich-literarische Gestaltung sowie seine Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte. Das Huainanzi erscheint dabei nicht nur als daoistischer Klassiker oder beliebige Sammlung verschiedener Lehren, sondern als eigenständige Synthese unterschiedlicher Traditionen des altchinesischen Philosophierens. Insgesamt macht die Einleitung deutlich, dass das Werk Philosophie, Naturerkenntnis, Literatur und politische Theorie in einer sprachlich brillanten Gesamtschau verbindet.
Viktor Kalinke: geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Promotion, Professur, lebt in Leipzig, übersetzte und kommentierte das Daodejing von Laozi, das Buch Zhuangzi sowie das Kapitel Fangnei aus dem Ishinpo.
Motivation
Das Huainanzi, wörtlich „die Meister von Huainan“[1], auch bekannt unter dem Namen Huainan honglie 淮南鸿烈 („Die leuchtende Weisheit von Huainan“), wurde von Gelehrten am Hof des Königs Liu An 劉安 (179 – 122) im zweiten Jahrhundert v.u.Z. verfaßt. Das Werk beinhaltet eine ausgefeilte und umfassende, im besten Sinne enzyklopädische Darstellung der Astronomie, Naturkunde, Philosophie und Staatskunst zur Zeit der Westlichen Han-Dynastie 前漢 (202 v.u.Z. – 9 u.Z.). Es umfaßt „alles, was ein weiser Herrscher wissen muß“, insbesondere die Bedeutung der Selbstkultivierung und geistiger Disziplin – auf brillante Weise entfalten die Texte das gesamte Spektrum des frühen chinesischen Denkens. Dem Huainanzi zufolge besteht das Geheimnis einer erfolgreichen Regierung in der Ausgewogenheit von breitem Wissen, sorgfältiger Anwendung und durchdringender Weisheit des Herrschenden (sheng wang 聖王). Die Gelehrten am Hof von Liu An wählten als Ausgangspunkt, Vorbild und Modell die kosmische Ordnung, das komplexe Zusammenspiel von Zyklen der Planeten- und Sternebewegung sowie der Mondphasen, um unter diesem Dach auf einzigartige Weise die daoistischen Klassiker Laozi und Zhuangzi mit konfuzianischen Werten, legalistischen Haltungen, der Idee der Fünf Wandlungsphasen sowie einer Vielzahl anderer Grundlagentexte wie dem Yijing („Buch der Wandlungen“), dem Shijing („Buch der Lieder“), dem Shujing („Buch der Urkunden“), dem Lüshi chunqiu, Mozi oder Hanfeizi zusammenzuführen.Die einzelnen Beiträge zum Huainanzi entstanden aus Debatten und Gesprächen zwischen Liu An und seinen Gästen am Hof, von denen insbesondere die später als „Acht Unsterbliche von Huainan“ berühmt gewordene Gruppe von Literaten und Philosophen zu nennen sind. Die Legende erzählt, daß diese acht Weisen am Hof erschienen, den Liu An in ein Zentrum der Wissenschaft und der Künste verwandelt hatte. Der König bat die Weisen, ihm Einblick in ihr verborgenes Wissen und ihre geheimen Techniken zu gewähren, und war so beeindruckt, daß er sich entschied, bei ihnen in die Lehre zu gehen...
Nach der Übersetzung und Kommentierung der Bücher Laozi und Zhuangzi erschien es mir geradezu natürlich, mich nun dem Huainanzi zuzuwenden. Während das Laozi nach sprachlicher Reduktion strebt, den Gedanken in kurzen Sätzen, knappen Formeln, Aphorismen und Paradoxien bis an die Grenze des Unsagbaren verdichtet, bewegt sich das Huainanzi in die entgegengesetzte Richtung: Es entfaltet den Gedanken. Wo das Laozi konzentriert, expandiert das Huainanzi und läßt die Wirkprozesse des Dao in einer umfassenden Darstellung ihrer unendlichen Beziehungen sichtbar werden. Während das Daodejing im Westen vor allem als Buch der Lebensweisheit und das Zhuangzi als Werk philosophischer Imagination und Inspiration gelesen wird, ist das Huainanzi hierzulande nahezu unbekannt – es existierte bis jetzt keine Übersetzung ins Deutsche. Zwar wird es in sinologischen Fachkreisen gelegentlich erwähnt, seine philosophische Eigenständigkeit – die Verbindung von Korrespondenzkosmologie, Naturphilosophie, Resonanzdenken, sprachlicher Komposition und politischer Anthropologie – wird jedoch kaum in ihrem ganzen Umfang wahrgenommen. Die Übersetzungen ins Französische und Englische wurden vor allem von englischsprachigen Experten intensiv diskutiert, doch die philosophische Erschließung des Werkes steht noch immer am Anfang.
Unter den Klassikern des alten China ist das Huainanzi eine Ausnahmeerscheinung: Es handelt sich um ein systematisch aufgebautes Werk, dessen sprachliche Gestalt ebenso sorgfältig ausgearbeitet wurde wie seine philosophische Architektur. Wer das Buch ausschließlich in Übersetzung liest, nimmt zunächst vor allem seinen Inhalt, die Gedanken und Ideen wahr. Im chinesischen Original hingegen tritt eine weitere Dimension hervor: Das Huainanzi ist zugleich ein literarischer Text von außerordentlicher sprachlicher Eleganz und Poesie.
Das Huainanzi richtet sich nicht vordergründig an den Einzelnen und seine Lebensgestaltung, sondern ausdrücklich an politische Entscheidungsträger, ja – ohne es auszusprechen –direkt an den Kaiser. Die Verfasser erkennen an, daß ein großes Reich Verwaltung, Gesetze und Institutionen benötigt; diese dürfen jedoch niemals den Kontakt zu den grundlegenden kosmischen Ordnungsprinzipien und Wirkprozessen des Dao verlieren. Wahre Herrschaft entsteht nicht aus Zwang, sondern aus der Fähigkeit, das Dao in den konkreten Bedingungen der eigenen Zeit wirksam werden zu lassen. Daher bildet das Huainanzi den philosophischen Höhepunkt der frühen Han-Zeit, in der nach drei Jahrhunderten der Zerstörung und Kriege die Hoffnung auf eine neue, dauerhaft friedliche Weltordnung Gestalt annahm.
Die Grundidee des Huainanzi ist eine politische Utopie: Das Buch läßt sich als Leitfaden betrachten, mit dessen Hilfe ein wahrhaftiger Herrscher (zhen ren 真人) in der hegemonialen Konkurrenz der Staaten Souveränität bewahren kann, indem er einen Einklang zwischen der Natur und den Menschen herstellt. Daher handelt das Huainanzi zwar vordergründig von Politik und Staatskunst, findet seine Ausgangspunkte jedoch in naturkundlichen und kosmologischen Themen. Das Bild des Wahrhaftigen – mitunter irreführend als „Heiliger“ übersetzt – wurde bereits im Laozi und im Zhuangzi angedeutet. Das Huainanzi bringt seine tiefgehende Psychologie mit den Erfordernissen des politischen Lebens in Übereinstimmung. Auf diese Weise nähern sich der daoistische Weise (sheng ren 聖人) und der konfuzianische Edle (jun zi 君子) einander an. Zurückhaltung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Verinnerlichung und Meditation kennzeichnen die Haltung des Herrschenden, um die große Linie, nach der sich die Dinge entwickeln, erkennen zu können und nicht aus dem Blick zu verlieren. Der wahrhaftige Mensch im Huainanzi ist eine Verkörperung des Dao, durchdringt es gleichsam als Universalprinzip aller Wandlungsprozesse und verleiht irdischen Angelegenheiten kosmische Ordnung. Das Huainanzi empfiehlt, die politische Herrschaft an denselben Mustern zu orientieren, die die Natur regieren. Gelingende Herrschaft ist nichts anderes als eine Verkörperung des Kosmos.
Aus heutiger Perspektive wirkt das Huainanzi in vieler Hinsicht erstaunlich modern. Es beschreibt die Welt als ein Geflecht unzähliger Wechselwirkungen, in dem Natur, Gesellschaft, Politik und menschliches Leben unauflöslich miteinander verbunden sind. Zugleich unterscheidet sich sein Verständnis von Komplexität grundlegend von zahlreichen modernen Systemtheorien. Ein einflußreicher Gedanke der modernen Soziologie besteht darin, daß soziale Systeme ihre Handlungsfähigkeit nur dadurch bewahren könnten, daß sie Komplexität durch Selektionsmechanismen reduzieren.[2] Da niemals alle Informationen gleichzeitig verarbeitet werden können, müssen Systeme fortwährend auswählen, unterscheiden und vereinfachen. Komplexität erscheint hier als Problem, das funktional bewältigt werden muß. Das Huainanzi versucht demgegenüber nicht, die Vielfalt der Welt auf wenige funktionale Beziehungen zu reduzieren. Vielmehr entfaltet es diese Vielfalt auf maximale Weise: Lange Aufzählungen, Korrespondenzsysteme, Analogien und Resonanzbeziehungen verstärken die Wahrnehmung von Zusammenhängen anstatt sie einzuschränken. Erkenntnis bedeutet nicht Vereinfachung, sondern eine zunehmende Anerkennung und Berücksichtigung der Beziehungen zwischen den zahllosen Dingen; Komplexitätsentfaltung statt Komplexitätsreduktion läßt sich als Strategie des Huainanzi feststellen.
Diese unterschiedliche Erkenntnishaltung führt zu weitreichenden philosophischen und herrschaftspolitischen Konsequenzen. In funktionalen Systemtheorien erscheint der Mensch häufig nur noch als Träger bestimmter Rollen innerhalb gesellschaftlicher Kommunikationszusammenhänge. Das Huainanzi dagegen betrachtet den Menschen niemals iso-liert; er ist weder autonomes Individuum noch bloßes Element eines sozialen Systems, sondern Knotenpunkt eines umfassenden Resonanzraumes. Der Mensch antwortet körperlich auf Wetter und Jahreszeiten, seine Gefühle drücken Lebensenergie aus, sein Handeln beeinflußt die politische Ordnung, und die politische Ordnung – so die These der hanzeitlichen Gelehrten – wirkt ihrerseits auf Himmel und Erde zurück. Zwischen Natur, Gesellschaft und Individuum gibt es enge Wechselwirkungen, daher lehnt das Huainanzi eine ausschließlich instrumentelle Vernunft ab. Wer die Welt lediglich in Bezug auf Nützlichkeit, Effizienz oder unmittelbare Kausalität betrachtet, verliert den Blick für jene subtilen Resonanzbeziehungen, aus denen nachhaltige Ordnung überhaupt erst hervorgehen kann. Die schöpferische Natur läßt sich nicht wie eine Maschine steuern; sie verlangt Aufmerksamkeit, Anpassungsfähigkeit und ein sensibles Gespür für den passenden Zeitpunkt.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch der sprachliche Stil des Huainanzi philosophische Bedeutung. Das Werk vermittelt seine Philosophie nicht allein durch Begriffe, son-dern ebenso durch die unmittelbare Erfahrung einer sprachlich erzeugten Vielschichtigkeit. Das Huainanzi erinnert daran, daß Nachhaltigkeit, Beständigkeit und Frieden nicht aus maximaler Kontrolle entstehen, sondern aus der Kunst, sich in größeren Zusammenhängen wiederzufinden. Es sucht nicht die Beherrschung von Komplexität, sondern die Einübung von Resonanzfähigkeit.
Die Zeitumstände zur Entstehung des Huainanzi
Das Huainanzi entstand nicht in einer Epoche politischer Stabilität, sondern vor dem Hintergrund von Kriegen, Machtkämpfen und tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Seine philosophische Grundhaltung erschließt sich daher erst, wenn man die historischen Bedingungen berücksichtigt, unter denen Liu An (179 – 122), König von Huainan, und die an seinem Hof versammelten Gelehrten ihr Werk verfaßten. Das Huainanzi ist nicht lediglich eine Sammlung daoistischer Gedanken, sondern zugleich eine Antwort auf die Frage, wie nach Jahrhunderten der Gewalt eine dauerhafte Ordnung wiederhergestellt werden könne. Der Han-Dynastie vorausgegangen war die mehr als drei Jahrhunderte währende Zeit der Streitenden Reiche (Zhanguo 戰國, 475 – 221), die als Chinas „Dreihundertjähriger Krieg“ bezeichnet werden kann. Während der Zentralmacht der Zhou-Dynastie zunehmend die Autorität entglitt, rangen die großen Fürstenstaaten Qin, Chu, Qi, Yan, Han, Zhao und Wei in unaufhörlichen Feldzügen um die Vorherrschaft. Technische Neuerungen in der Metallverarbeitung, die Einführung großer stehender Heere sowie grundlegende Verwaltungsreformen führten zu einer verheerenden Militarisierung des öffentlichen Lebens. Der Krieg wurde zur dauerhaften Erscheinungsform der Politik.Die Zeit der Streitenden Reiche war nicht nur eine Epoche tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche, sondern auch eine außerordentlich fruchtbare Epoche philosophischen Denkens. Konfuzianer, Mohisten, Daoisten, Vertreter der sogenannten Schule der Namen und Legalisten entwickelten unterschiedliche Vorstellungen von Mensch, Gesellschaft und guter Herrschaft. Ihre Vertreter standen vielfach in enger Beziehung zu den politischen Machtzentren ihrer Zeit und suchten die Möglichkeit, ihre Vorstellungen als Berater oder Amtsträger praktisch zur Geltung zu bringen – sie konkurrierten um die Gunst der Fürstenghöfe.[1]
Den Schlußpunkt dieser Entwicklung setzte der Staat Qin, der im Ausland den Namen „China“ geprägt hat. Unter Fürst Zheng, der sich nach der gewaltsamen Reichseinigung den Titel Qin Shihuangdi 秦始皇帝 („Erster Kaiser der Qin“) verlieh, wurden im Jahre 221 v.u.Z. sämtliche chinesischen Teilstaaten unter einer zentralen Herrschaft vereinigt. Die Qin-Regierung schuf ein effizientes Verwaltungssystem mit Präfekturen und Kommandostellen, vereinheitlichte Schrift, Maße, Gewichte sowie Münzwesen und begann mit dem Ausbau der Verkehrswege und Befestigungsanlagen. Der Qin-Staat war durch strenge Gesetze, harte Strafen und umfassende soziale Kontrolle geprägt; im historischen Gedächtnis blieben die Bücherverbrennung und Verfolgung konfuzianischer Gelehrter, auch wenn das Ausmaß dieser Maßnahmen heute differenzierter beurteilt wird.[2] Zwar erscheint diese Ordnung in der frühen Han-Historiographie mit der Grausamkeit des Ersten Kaisers und dem Untergang der Qin-Dynastie verbunden, tatsächlich konsultierte der Erste Kaiser durchaus klassische Gelehrte, beispielsweise hinsichtlich der feng- und shan-Opfer im Taishan-Gebirge. Die einfache Bevölkerung sollte sich nach einem Vorschlag von Shang Yang in Fünfergruppen gegenseitig überwachen. Außerdem ordnete Li Si an, Exemplare des Shijing, Shangshu und philosophischer Texte aus Privatbesitz einzuziehen und in der kaiserlichen Bibliothek aufzubewahren. Bücher über Medizin, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wahrsagung wurden nicht konfisziert. Das Qin-Regime wollte das politische Denken kontrollieren, indem es den Zugang zu schriftlichen Quellen beschränkte, aber es gab keine systematische Zerstörung der Bücher.
Nichtsdestotrotz erwies sich die Qin-Dynastie als kurzlebig: Bereits wenige Jahre nach dem Tod von Qin Shihuangdi brachen im ganzen Reich Aufstände aus. Hohe Steuerlasten, Fron- und Militärdienste untergruben die Legitimation der neuen Herrschaft. Aus den Wirren des Bürgerkrieges ging schließlich Liu Bang 劉邦 (256 – 195) als Sieger hervor. Anders als sein aristokratischer Rivale Xiang Yu 項羽 (232 – 202) aus Chu entstammte Liu Bang einfachen Verhältnissen. Der mächtige Rebellenführer Xiang Yu ließ 206 v.u.Z. den letzten Qin-Herrscher Ziying töten, die Hauptstadt Xianyang plündern und die Qin-Paläste niederbrennen; dabei ging auch die kaiserliche Bibliothek mit den zuvor konfiszierten Schriften in Flammen auf – ein unschätzbarer Verlust.[3] Er hatte keinerlei Konzept für die Verwaltung des Reiches, so daß er schließlich dem Bauernführer Liu Bang unterlag. Nach seinem Sieg setzte sich Liu Bang als Begründer der Han-Dynastie durch und bestieg als Kaiser Gaozu 高祖 (r. 206 – 196) den Thron. Mit ihm begann jene Dynastie, die mehr als vier Jahrhunderte bestehen und den Chinesen ihren bis heute gebräuchlichen Namen „Han“ verleihen sollte.[4] Die Fürstenstaaten wurden den acht Söhnen von Liu Bang zugeteilt und sie erhielten den Königstitel Wang 王. Die frühen Han-Kaiser standen vor der schwierigen Aufgabe, die organisatorischen Errungenschaften der Qin-Dynastie zu bewahren, ohne deren politische Härte fortzuführen. Einerseits erwies sich der zentralisierte Beamtenstaat als unverzichtbar; andererseits galt es, die Bevölkerung nach drei Jahrhunderten nahezu ununterbrochener Kriege wirtschaftlich und sozial zu entlasten. Kaiser Jing 漢景帝 (Liu Qi, 188 – 141) war der fünfte Sohn von Kaiser Wen 漢文帝 (Liu Heng, 202 – 157) und Kaiserin Dou 太皇竇太后 (gest. 135 v.u.Z.), die dem Daoismus zugeneigt war und ihn ihren Kindern vermittelte.
Die Kaiserinwitwe liebte die Worte von Laozi und hielt nichts von Konfuzianismus ... Die Kaiserinwitwe Dou mochte das Buch von Laozi und rief Meister Yuan Gu[5] herbei, um ihn danach zu fragen. Gu sprach: „Das sind die Worte meiner Schule.“[6]
Die frühen Han-Herrscher verfolgten daher eine zurückhaltende Regierungspolitik, die in den Quellen häufig mit daoistischen Vorstellungen des Wuwei in Verbindung gebracht wird: Frieden, niedrige Steuern und die Begrenzung staatlicher Eingriffe schufen die Voraussetzungen für die wirtschaftliche Erholung und eine langfristige Stabilisierung des Reiches.[7]
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