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Maulpoix, Jean-Michel: Der Garten unter dem Schnee
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Gast
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Freitag, 28. Februar 2025
- Rezension:
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LE MONDE DES LIVRES (19/06/2023)
« Le Jardin sous la neige », von Jean-Michel Maulpoix : Nach der dunklen Traurigkeit der kalten Jahreszeit
Die Stimme Orpheus (La Voix d’Orphée) 1989 war der Titel eines kritischen Essays von Jean-Michel Maulpoix, der unter dem Titel Du lyrisme (Corti, 2000) wieder aufgelegt wurde. Diese Stimme wird auch in der neuen Gedichtsammlung wieder aufgerufen: Nach dem Erscheinen von Rue des fleurs (Mercure de France, 2022) wurde Maulpoix für sein Gesamtwerk, das mehr als dreißig Gedichtsammlungen umfasst, mit dem „Prix Goncourt de la Poésie“ ausgezeichnet, daneben hat er aber auch zahlreiche kritische Texte verfasst.
Die Sehnsucht nach dem Anderswo
Seine Bücher von Une histoire de bleu (1992) bis L’Instinct de ciel (Mercure de France, 2000) sind voller Licht. « Mit acht Jahren Abstand », notierte der Dichter Antoine Emaz, beziehen sich diese beiden Titel aufeinander, sie hinterfragen das Blau, den Blues, angesichts des riesengroßen Meers oder Himmels. » « Ein Werk voller Schwung, getragen von der Sehnsucht nach dem Anderswo, indem die Melancholie jedoch auch präsent ist. So findet man schon in Adieux au poème (Corti, 2005) diese Darstellung eines Dichters: « Poète : celui que rien ni personne ne peut consoler de mourir et que la connaissance de la disparition conduit à s’emparer fiévreusement du langage pour y garder mémoire de ce qui s’efface, aussi bien que pour y filer à tombeau ouvert sur les routes du temps. »
Ein Bruch zeigte sich für Jean-Michel Maulpoix (geb.1952) mit dem Tod seiner Eltern. Eine richtige Zäsur, wild wie ein Flügelschlag steht am Ursprung dieses äußerst berührenden Trauerbuchs, Die rote Schwalbe, dessen Titel von einem Gemälde von Mirò Hirondelle Amour (1934) inspiriert ist. Dieses feinsinnige setzte ihnen ein poetisches Grabmal in neun kurzen Prosakapiteln. Im Mittelpunkt steht Schwarzes Herz nach einem Zitat von ¬Rainer Maria Rilke.
In Erwartung des « Wiederergrünens »
Nach Le Jour venu (2020) schließt Le Jardin sous la neige nun diese Trilogie der Trauerarbeit ab. Der Aufbau gleicht dem von L’Hirondelle rouge : einundachzig kurze Prosastücke zeichnen einen Weg nach. Nach der schwarzen Traurigkeit der kalten Jahreszeit zeichnet sich das Warten auf ein Wiederentstehen ab, das in der Lyrik des Mittelalters als « Reverdie » bezeichnet wurde. Es ist nicht mehr die gleiche Begeisterung wie früher : « Inespérée, cette ¬reprise de souffle soudaine dans la lumière du soleil. Die Farbe der Tinter ändert sich nicht ; sie bleibt immer genauso schwarz. Doch der Schmerz wird durch das Sagen und immer wieder Sagen leichter. »
All das in einer « Sprache des Winters », die aus Traurigkeit besteht und sich damit abfindet, leise zu sprechen. Denn Jean-Michel Maulpoix meint, dass auch die Sprache ihre « Jahreszeiten » hat. Doch der tröstende Schnee holt die weit entfernte Kindheit zurück, vermischt sich mit dem Hören eines Préludes von Debussy Des pas sur la neige (1910), unde der Betrachtung der Bilder der impressionistischen Maler – Sisley, Monet, die gerne verschneite Gärten darstellten. Der Dichter sieht darin auch für das Schreiben « das Versprechen eines Frühlings, der die weiße Pracht beschützt ». Wie ein geheimes Keimen von Samen und die Hoffnung der lebenden Pflanzen.
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