Rezensionen zu: Maulpoix, Jean-Michel: Der Garten unter dem Schnee

    Bewertung
    5 von 5 Sternen!
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    Datum:
    Samstag, 22. Februar 2025
    Rezension:
    LE JARDIN SOUS LA NEIGE/DER GARTEN UNTER DEM SCHNEE \r\nvon JEAN-MICHEL MAULPOIX\r\nvon PhV, Lehrbeauftragter für Literatur und Politik an der Sciences Po, Paris\r\nDer neuen Sammlung der unter dem Titel „Le Jardin sous la neige/Der Garten unter dem Schnee“ erschienenen Prosagedichten von J.M. Maulpoix ist ein Zitat aus L\'Ange/Der Engel, einem der letzten Texte von Paul Valéry vorangestellt \"Der Engel, der sich als Mensch sah, war höchst erstaunt, sich in der nackten Welle zu zeigen, diese Beute einer unendlichen Traurigkeit\" und beginnt mit dem Satz „Ich öffnete die Tür zur kalten Jahreszeit und trat in den Kummer ein. Der Winter kommt durch die Worte“. Das ist eindeutig ein tragischer Nachklang seiner beiden bereits erschienenen Alben L\'Hirondelle rouge /Die rote Schwalbe und Le jour venu.\r\nEinfühlsam übersetzt von Margret Millischer, die den Titel unverändert beibehält, was an Paul Celans Heimkehr aus Schneepart erinnern kann, ist dieser Band düsterer als die beiden vorherigen, die noch das berühmte Blau enthielten, das diesmal immer mehr verblasst ist. Es handelt sich um eine Reihe von anspruchsvollen, nachdenklichen, dunklen Prosagedichten, über denen der allgegenwärtige Schatten des Todes zu schweben scheint. In den Dialog mit sich selbst mischen sich Angst und Sehnsucht, Gewalt und Resignation, Sanftheit und Schmerz.\r\nDie Gedankenstriche sind noch da und erinnern daran, dass es sich um einen Dialog handelt, bei dem verschiedene Stimmen einander abwechseln, in denen existentielle Zweifel und Ungewissheit zum Ausdruck kommen, der Autor sich mit groben Ausrufen wie „Dummkopf!“ oder „Sturschädel!“ bedenkt oder selbst ermahnt wie: \"Glückselig singst du mit geschlossenen Augen und verirrst dich unterwegs, wenn du heimgehst.“\r\nDarauf folgen ziemlich beängstigende Überlegungen über das Altern und den herannahenden Tod. Verschwunden sind Sanftheit und Heiterkeit, die noch in L’instinct de ciel oder Une histoire de bleu/Eine Geschichte vom Blau zu spüren waren, als « Die Sommerabende lange dauerten…“ \r\nSchon in L’instinct de ciel hatte sich der Dichter den Tod vorgestellt, doch da war es nur ein Spiel, um die Lebenden vom Grab aus zu beobachten. Die Aktivität der nekrophagen Insekten und Schmetterlinge wurde nur spielerisch dargestellt. Aus Pas sur la neige/Schritte im Schnee konnte man auch eine bestimmte, eher friedliche Zustimmung herauslesen, im Weiß des Schnees zu verschwinden und sich im Unbestimmten und der Stille zu verlieren. Hier scheint ein Schritt in die Resignation erfolgt zu sein.\r\nWenn man an manchen Stellen auch Aufhellungen und etwas Licht wahrnehmen kann, so gewinnen sie doch niemals so viel Gewicht, dass sie eine glückliche Seite aufzeigen, bei der Feiern, Freude und Heiterkeit gerühmt würde, die auf Schmerz und Leiden vergessen lassen würden. Nichts davon. Beruhigung und Sanftheit finden sich nur in kleinen Nebensätzen. \r\nTrotzdem wäre es zu einfach, aus Der Garten unter dem Schnee nur Sorge, Trauer und Angst herauszulesen. Die Dinge sind in diesem letzten Text niemals eindeutig oder schwarz-weiß, wobei zu hoffen ist, dass es nicht der letzte sein wird, denn Maulpoix hat schon bewiesen, dass man nicht in einer einseitigen Sicht der Dinge verharren soll. Und auch diesmal greift er auf die Form des Dialogs zurück, um mit mehreren Stimmen zu sprechen, Brüche in Ton, Ausdruck, kurz dem flüchtigen Charakter jeder Behauptung auszuloten. Hier wie auch in seinen früheren Büchern sind douceur (Sanftheit) und douleur (Schmerz) nicht nur zwei gegensätzliche Begriffe, sondern stets eng miteinander verbunden. Man kann seine Verzweiflung und Not zum Ausdruck bringen, sich der Endlichkeit sehr bewusst sein, und doch ist da eine - wenn auch nur vorübergehende und prekäre - Form der Beruhigung möglich. Eine Beruhigung, die man in der einfachen Tatsache spüren kann, in der tatsächlichen Gegenwart der Welt da zu sein. Die Sprache ist zerbrechlich, meinte der Dichter in einer seiner ersten Gedichtsammlungen. Zerbrechlich, das stimmt, aber beharrlich und stark, und hat die Versuchung des Dichtens nicht verloren…\r\n\"- Auch Schreiben ist wie ein langsames Stapfen im Schnee...\r\n- - Vergesst nicht, nach innen zu schauen, in der Nacht, wenn eure Augen schon fast zufallen, am Übergang zum Schlaf. Hinter euren Lidern werdet ihr schöne weiße Schneeflocken fallen sehen, die kleinen Papierzetteln gleichen, auf denen eure Liebesgeschichten stehen. (Seite 181)\r\n\r\n
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    Maulpoix, Jean-Michel: Der Garten unter dem Schnee