Markus Sahr

Markus Sahr

charlotte van der mele empfiehlt die Lektüre der Übersetzungen und Texte von Markus Sahr: 

"markus sahr ist mir zuerst als übersetzer aus dem portugiesischen begegnet. verliebt in portugal (oder besser: in meine idee davon), der sprache aber nicht mächtig, habe ich mich von seinen übersetzungen verführen lassen in ein land, das es so wohl schon gar nicht mehr gibt. oder das fernab aller touristisch ausgetrampelten pfade vielleicht noch zu finden wäre, wenn eine sich zu fuss auf den weg machte. das wäre dann ein portugal zum immer wieder stillstehen. eines, das sich meinem verklärten blick und meiner romantisch-verklärenden sehnsucht widersetzt. ein sich ganz eigenes. so begegnet es zu mir in den von ihm übersetzten büchern.

da lag es nahe, auch seine eigenen texte zu lesen. und ob es nun aus dem übersetzen kommt oder von ihm schon in sein übersetzen eingetragen wurde — wieder begegnet mir die welt darin so ganz anders: rau, ungeglättet. als einladung anzuhalten und hinzuschauen. es ist, wie einen alten schwarzweißfilm zu sehen, der die ganze geschichte eines augenblicks erzählt, für den ich mittlerweile viel zu schnell geworden bin. weshalb ich bisher wohl auch immer an den bildern von alfred wallis vorbeilief, dem markus sahr in seinem buch wallis ein denkmal setzt.

diese langsamkeit des augenblicks — in seinen übersetzungen und seinen eigenen büchern zu lesen ist immer auch eine einscheidung: gegen meine ignoranz."

Die Übersetzungen von Markus Sahr aus dem Portugiesischen zeichnen sich stilistisch durch eine große sprachliche Sensibilität aus: Er versucht nicht nur den Inhalt, sondern auch Rhythmus, Klang und kulturelle Nuancen der Originaltexte ins Deutsche zu übertragen. Thematisch bringt er häufig Werke in die deutsche Sprache, die von gesellschaftlichen Umbrüchen, Identität, Kolonialgeschichte oder Randexistenzen erzählen, und lässt so literarische Stimmen sichtbar werden, die im deutschsprachigen Raum zuvor wenig präsent waren. Zu den von ihm übersetzten Autorinnen und Autoren gehören vor allem Schriftsteller aus Portugal, Brasilien und lusophonen Ländern Afrikas, etwa Vertreter einer politisch und ästhetisch anspruchsvollen Gegenwartsliteratur. Seine Bücher eröffnen Perspektiven auf andere Kulturräume und zeigen, wie eng Sprache, Geschichte und Politik miteinander verwoben sind.

Auch Markus Sahrs eigene Werke wie "Wallis" und "Taschkenter Hefte" sind literarisch geprägt von einer dichten, oft fragmentarischen Erzählweise. Sie verbinden Reiseerfahrungen, Erinnerungen und Reflexionen zu vielschichtigen Texten, die sich zwischen Essay, Prosa und poetischer Verdichtung bewegen. Charakteristisch ist dabei eine genaue Beobachtung von Orten und Menschen sowie ein leiser, nachdenklicher Ton, der eher andeutet als ausformuliert und so Raum für Interpretation lässt.

Markus Sahr: geb. 1962 in Mainz, lebt in Leipzig, ist freiberuflicher Übersetzer und Autor, war freier Journalist in Berlin und arbeitete als freelance Deutschlehrer in Lissabon und Bristol, Lehrauftrag für besondere Auf­gaben am Fachbereich Translationswissenschaft der Universität Mainz in Germersheim, Vorsitzender des renommierten Vereins „FÄHRE“ zur Förderung des literarischen Übersetzens


Von Markus Sahr sind auf sisifo folgende Übersetzungen und Texte erhältlich: 

1 bis 30 (von insgesamt 30)
Übersetzer und Autor des Monats Mai 2026