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Jankowski, Martin: sasakananas

ISBN:
978-3-86660-197-0
Bearbeitung:
ca. 1-2 Tage ca. 1-2 Tage
14,95 EUR
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INDONESIEN MATERIAL

gedichte & notate

Seit 2002 reiste Martin Jankowski immer wieder nach Indonesien, um den tropischen Archipel der 17 000 Inseln am Äquator zu erkunden: Nicht als Abenteuerer, Tourist oder Handlungsreisender, sondern als Lyriker. Von Sumatra bis Papua haben ihn seine poetischen Expeditionen geführt und es sind Hunderte Texte über Begegnungen mit Land, Leuten und Poesie entstanden. Erste Gedichte aus diesem Material erschienen in Magazinen und Anthologien, einige wurden in Indonesien, aber auch international rasch bekannt; bereits vor Jahren wurde in Indonesien selbst ein Buch veröffentlicht, das sehr erfolgreich war.

Jetzt, da Indonesien auch von der deutschen Literaturszene stärker wahrgenommen wird, ist es an der Zeit, dieses ungewöhnliche poetische Material auch deutschen Lesern zugänglich zu machen, mit dem sich erstmals ein deutscher Autor intensiv und mit verschiedensten lyrischen Mitteln diesem faszinierenden Thema nähert. Erstmals werden diese Gedichte, die zunächst in Indonesien und anderen Ländern erschienen und wahrgenommen wurde, nun als Buch auch im deutschen Sprachraum zugänglich gemacht.


Bei der Auswahl für den vorliegenden Band werden neben den bislang bekanntesten Texten auch etliche unveröffentlichte sowie einige bewusst in der Urform der lyrischen Reisetagebücher präsentierte Fassungen berücksichtigt. Die Texte bieten sowohl für Indonesienkenner als auch für Neueinsteiger in das Thema eine repräsentative Übersicht über das atemberaubend vielfältige Phänomen Indonesien. Ein kurzer Essay des Autors erläutert die Hintergründe an ausgewählten Beispielen.


Martin Jankowski:
geb. 1965 in Greifswald, ist ein Berliner Poet und Schriftsteller, der in den 80ern als Sänger zur oppositionellen Leipziger Szene gehörte und von der Stasi mit "Zersetzungsmaßnahmen" bedacht wurde. Nach 1989 veröffentlichte er zahlreiche Songs, Gedichtbände, Kurzerzählungen, Essays und einen Roman. Seine Texte wurden bislang in 14 Sprachen übersetzt und erhielten Auszeichnungen wie den Jahrespreis für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte (DVLG 1998), das Alfred-Döblin-Stipendium der deutschen Akademie der Künste (2006) oder den Preis für das lyrische Lebenswerk (V.-Baum-Stiftung 2014). Jankowski ist regelmäßig bei internationalen Festivals und Universitäten zu Gast, leitet internationale Kulturprojekte und ist Gastgeber literarischer Salons. (
www.martin-jankowski.de)  

Von Martin Jankowski ist bereits im Leipziger Literaturverlag erschienen: "sekundenbuch".

Leseprobe:

Seit 2002 …

 

reiste ich, anfangs auf Einladung des indonesischen Dichters W.S. Rendra, vielfach durch den – drei biologische Zonen und vier Zeitzonen weiten – Inselstaat am Äquator. Ich lebte in Metropolen und Dschungeldörfern, sah Slums und Luxushotels, endlose Reisfelder, schmutzige Traumstrände und rauchende Vulkane. Ich traf ungewöhnliche Menschen und stieß auf Sprachen und Kulturen, von denen ich nie zuvor gehört hatte. Ich war begeistert, entsetzt und fasziniert – und fand Freunde fürs Leben. Statt Fotos zu machen, fotografierte ich, wenn es die Hitze zuließ, mit Worten. Ich trat mit indonesischen Dichtern und Musiker auf und durchreiste die Inseln am anderen Ende der Welt, indem ich meine Poesie mit der künsterlischen Praxis lokaler Kulturen verwob. Ich entdeckte eine kraftvolle poetische Alltagspraxis, die mein eigenes Schreiben und Leben beeinflusste. Aus meinen Reisetagebüchern extrahierte ich lyrische Texte, von denen etliche zunächst in Indonesien erschienen (übersetzt von Katrin Bandel und in indonesischer Nachdichtung von Dorothea Rosa Herliany) und dort zum literarischen Erfolg wurden: Zum ersten Mal erschien der Gedichtband eines deutschen Lyrikers im Original und zweisprachig in einem indonesischen Verlag. Inzwischen sind einige meiner indonesischen Gedichte zu dauerhaften literarischen Verbindungen zwischen den Welten geworden, sodass es an der Zeit scheint, einiges davon auch den Lesern in Deutschland vorzustellen. (Begriffserklärungen für Einsteiger hinten im Anhang.)

 

Martin Jankowski (Berlin)


 

Puisi dan Perlawatan…

 

Lyrik und Reise sind eng miteinander verbunden. Lyrik ist, weil sie frei und offen allem Unvermuteten gegenüber ist, selbst eine Reise, ein Abenteuer sogar, und manchmal ein Aufbegehren gegen Festgefahrenes. Ein lyrischer Prosatext von Amir Hamzah aus den 1930er Jahren weist auf diesen Zusammenhang hin: Er beschreibt die Reise an einen Ort, der „von allen heiligen Schriften der Welt verflucht wird“, aber er schert sich nicht um den Fluch: „du, mein Herz, hast deine eigenen Schriften“. Es erstaunt nicht, wenn aus einer Reise an einen ungewöhnlichen Ort reizvolle Lyrik entsteht. Die Gedichte von Sitor Situmorang über Paris in Surat Kertas Hijau sind ein Beispiel dafür. Obwohl die Titel (Sacré Coeur, Pont Neuf …) heute wie eine Aufzählung von Sehenswürdigkeiten anmuten, ist jedes Gedicht das Ergebnis einer Begegnung mit Gefühlen der Einsamkeit, der stillen Betrachtung, vielleicht auch der Verzückung – etwas ganz Normales bei einer Reise in ein fernes, fremdes Land.

  Die Gedichte Martin Jankowskis stehen in dieser Tradition. Nur ist der Grundton hier nicht die Meditation, sondern der bezauberte, vielleicht gar ungläubig staunende Blick. Wie Sitors Gedichte sind auch die lyrischen Notizen Jankowskis kein Reisetagebuch. Jedes Gedicht wird aus dem Ereignis einer Begegnung geboren. So ist es auch bei diesen Gedichten, deren Übersetzung uns in Indonesien auch einen neuen Blick auf uns selbst ermöglichte: In allem Vertrauten ist etwas Fremdes, das wir selbst nicht erkennen können.

Goenawan Mohamad,
indonesischer Dichter, Verleger und Essayist (Jakarta)

 


“In Indonesia we have a bigger sky.”

(NIKMAH SARJONO)

 
                   

                    Ankunft in Jakarta 

   suddenly i was drowning among  thousands        

    of people” Dorothea Rosa Herliani

 

               in der ferne türme und brücken

               einer vielversprechenden zivilisation

               im zentrum ein steinerner phallus

               auf einem endlosen platz

               ohne menschen

 

               unter autobahnpfeilern das leben

               verwinkelte gassen und ströme

               von menschen mit schmutzigen füßen

               und sauberen hemden im rauch

 

               die jungen kreuzungssteher

               mit den schlechten zähnen

               lächeln wenn wir gehorsam

               kleingeld aus dem fenster werfen

               und nirgendwo ein einziges becak

 

               gelacht wird selten auf den oberen plätzen

               aber geh in die winkligen stuben in einer ecke

               unter bröckelnden mauern eine orchidee

               ein glas javajasmintee aber nimm

               die blauen taxis nicht die gelben

                       


                  Permata Puri - im Haus des Dichters 

                  für Nikmah und Agus

  

               dies ist das wohnzimmer

               hier das zimmer mit kühlung  

               hier steht sauberes trinkwasser

               hier ist die terassem da können wir

                sitzen des nachts und uns
                erzählen

 

               das dach für den schatten

               die türen bleiben offen

               die kammer zum waschen

               hier sind tücher den schweiß zu trocknen

               an der decke laufen die cicaks

               und jagen moskitos

 

               dies ist das lied des hausmädchens

               dies sind die träume unserer kinder

               hier die ideen von gestern und morgen

               handgroß die schmetterlinge im garten

               dies sind unsere nachmittagsgewitter

               und dies die melodien der strassenhändler

               im endlosen sommer von cimanggis

             
 

               Universitätsbibliothek (Depok) 

                   

    weiße lichtflut

               überm campuspark

               drin ist es kühl  

               studenten wimmeln

               die klimaanlage erbarmt

               sich keiner vermisst

               etwas unten lokalzeitungen

               oben comics gleich neben der

               treppe hinten im dämmer die

               bücherregale mit dem staub

               aus der bauzeit des gebäudes

               auf dunkelndem papier unberührt

               hier trifft man sich

               hier telefoniert man

               schwatzt und blättert

               in der zeitung

 

               nelson unter kopfhörern

               in der leeren leseecke

             

                       



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