Udo Kawasser

Udo Kawasser

Viktor Kalinke empfiehlt Udo Kawasser: 

Kawassers Gedichte zeichnen sich durch eine sehr konzentrierte, klanglich und inhaltlich dichte Sprache aus. Er schafft es, scheinbar einfache Bilder mit dichterischer Tiefe aufzuladen und beim Lesen eine direkte sinnliche Erfahrung zu erzeugen. Sein Umgang mit Natur und Wahrnehmung ist besonders stark.

die abwesenheit von tieren
inmitten der natur
und die bäume ohne gelegenheit
sich rechtzeitig davonzustehlen…
(Aus dem Gedicht “wald”)


Dieses Beispiel zeigt, wie Kawasser mit wenigen Worten Atmosphären erzeugt und die Verdichtung von Wahrnehmung poetisch umsetzt. Er schreibt nicht nur über sichtbare Landschaften, sondern auch über innere und philosophische Fragestellungen. Seine Texte öffnen Räume, in denen sich äußere Naturwahrnehmung, Erinnerung und existenzielle Fragestellungen über Identität und Zeit überlagern.


wenn der grund nachgibt
im freien fall
dieses bild nicht betreten
sondern mit den worten wegsacken…
(Aus dem Gedicht “schwerelos”)


Hier zeigt sich Kawassers inszenierter „freie Fall“ als poetische Metapher für das Ringen um Sinn, Bodenhaftung und Ausdruck. Nicht nur die Naturbeobachtung oder intime Beziehungserzählungen, auch seine Reiseliteratur öffnet Zugänge zu anderen Orten und Denkweisen, die über lyrische Stimmungsbilder hinausgehen.

 

nicht nur nord und west und süd
auch der osten kann zersplittern
eine lüge dass wir eine brücke seien 
wir sind der müllhaufen
inmitten der himmelsrichtungen
(Aus dem Gedichtband „die blaue reise. donau – bosporus“)
 
Diese Passage veranschaulicht, wie Kawasser kulturelle Begegnungen und geografische Räume in poetischer Sprache verwebt. Udo Kawasser wuchs in Lauterach am Bodensee auf. Er studierte Deutsche, Französische und Spanische Philologie in Innsbruck und Wien. Kawasser arbeitet als zeitgenössischer Tänzer und Choreograph und verfasst Lyrik, Prosa und Essays. 2009 nahm er am V. Internationalen Poesiefestival in Granada (Nicaragua) teil. Udo Kawasser übersetzt aus dem Spanischen für die Zeitschriften LichtungenOstragehege sowie ndl Dossiers über kubanische, chilenische und nicaraguanische Lyrik. 2002 leitete er einen Lyrik-Übersetzungsworkshop in Havanna, aus dem die zweisprachige Anthologie deutschsprachiger Dichtung El cerebro que canta. Siete poetas de lengua alemana hervorging. Udo Kawasser lebt in Wien, wo er die Poesiegalerie mitbegründete.

Veröffentlichungen
  • tarquinia – gespräche mit schatten. poem. Limbus Verlag, Innsbruck, 2024
  • die blaue reise. donau – bosporus. Gedichte. Limbus Verlag, Innsbruck, 2020
  • Ried. Sonderzahl, Wien, 2019
  • das moll in den mollusken. Leipziger Literaturverlag, Leipzig, 2018
  • Ache. Sonderzahl, Wien, 2018
  • Unterm Faulbaum. Aufzeichnungen aus der Au. Sonderzahl, Wien, 2016
  • kleine kubanische grammatik. gedichtekeiper verlag, Graz, 2012
  • vom augenrand. gedichte. Mit Bildern von Karin Ferrari. Bucher, Hohenems, 2011
  • kein mund. mündung. gedichte. parasitenpresse, Köln, 2008
  • Einbruch der Landschaft. Zürich – Havanna. Prosa. Ritter Verlag, Klagenfurt, 2007


Preise


Weiterführende Links
 

Im Leipziger Literaturverlag ist von Udo Kawasser lieferbar: 

1 bis 4 (von insgesamt 4)
Autor des Monats Januar 2026