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Van den Broeck, Charlotte: Nachtdrift

ISBN:
978-3-86660-273-1
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Gedichte

Aus dem belgischen Niederländisch von Stefan Wieczorek

Nachtdrift ist ein kohärenter, dicht komponierter Gedichtband, den das immer wiederkehrende Thema der gescheiterten Liebe wie ein roter Faden zusammenhält ... Beim wiederholten Lesen entfalten die Gedichte immer neue Bedeutungen. Diese Poesie ist genau, wohlklingend, abenteuerlustig – und sehr authentisch. Da die Einzelgedichte keine isolierten Kompositionen darstellen, sondern in Beziehung treten zu den anderen Texten, kommt man lesend in einen Flow. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Eine melancholische Ungeduld, die Weigerung zu akzeptieren, dass alles so ist, wie es ist, durchzieht diesen Band.

Charlotte Van den Broeck: geb. 1991, ist Dichterin und Essayistin. Sie studierte zunächst Englisch und Deutsch, dann Wortkunst am Konser­vatorium Antwerpen. Gemeinsam mit dem Romancier Arnon Grünberg eröffnete sie 2016 mit einer Performance die Frankfurter Buchmesse, als Flandern und die Niederlande Ehrengäste der Messe waren. Bislang publizierte sie zwei Gedichtbände, „Kameleon/Chamäleon“ (2015) und „Nachtroer/Nachtdrift“ (2017); diese wurden mit dem Herman-de-Coninck-Debütpreis bzw. dem Paul-Snoek-Preis ausgezeichnet. Gedicht­bände von ihr wurden u.a. ins Englische, Französische, Spanische und ins Afrikaans übersetzt. Mit „Cosmos, Texaco“ schrieb sie 2020 einen umfang­reichen Essay über ihre poetischen Wahlverwandtschaften. Ihr essayistisches Prosadebüt „Waagstukken/Wagnisse“ erscheint im Rowohlt Verlag.

Der Herausgeber und Übersetzer Stefan Wieczorek wurde 1971 in Koblenz geboren. Er arbeitet als Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Essayist und lebt in Aachen, im Dreiländereck Niederlande-Belgien-Deutschland. Sein Engagement gilt insbesondere der Literatur aus Flandern und den Niederlanden, siehe auch die gemeinsam mit Christoph Wenzel herausgegebene Anthologie Polderpoesie und den Themenband Bojen & Leuchtfeuer der Literaturzeitschrift die horen. Er ist Redakteur des zweisprachigen Poesiemagazins Trimaran. Stefan Wieczorek gibt die Reihe „Literatur aus Flandern“ im Leipziger Literaturverlag heraus.

„Nachtdrift“ ist der zweite Band der Reihe „Literatur aus Flandern“ im Leipziger Literaturverlag. Die Reihe kartographiert die niederländischsprachige Literatur Flanderns, wo sie für den deutschsprachigen Leser noch weitgehend Terra Incognita ist.

Literatur aus Flandern, Band 1:

Max Temmerman: Die Geduld der Gärten. Gedichte, 2019.

Literatur aus Flandern, Band 2:

Charlotte Van den Broeck: Nachtdrift. Gedichte, 2021.

Der Übersetzer erhielt für die Arbeit an diesem Text ein Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds. Das Erscheinen dieses Buches wurde gefördert von FLANDERS LITERATURE.


Leseprobe:

VIII

niet overhellen, nu de avond het licht en ons de adem afknelt

stootblauw het vel, aangeslagen oorlogstrommel van wat faalt in ons

het huis laat zich verdelen in bananendozen en bezittelijke voornaamwoorden

de boekenkast in links en rechts

van jou de landkaarten, de Russen en het oeuvre van Márquez

ik krijg woordenboeken in alle talen, de biografieën van dictators

en ja, de poëzie, die juist nu hardnekkig staat te zwijgen, je vraagt nog:

welke vogel stak ook weer de snavel in zijn eigen borst?

ik kan niet op de pelikaan komen

weet nu dat rouw begint bij het stoten van de elleboog

en doortrekt tot in de vingertoppen

om nieuwe aanrakingen vooraf al te verdoven


VIII 

nicht umkippen, jetzt, wo der Abend das Licht und uns den Atem abschnürt

blaugestoßen die Haut, diese geschlagene Kriegstrommel für alles Scheitern in uns

die Wohnung lässt sich aufteilen in Bananenkisten und Possessivpronomen

das Bücherregal in links und rechts

dir gehören die Landkarten, die Russen und das Gesamtwerk von Márquez

ich bekomme Wörterbücher in allen Sprachen, die Biografien der Diktatoren

und ja, die Poesie, die gerade jetzt so hartnäckig schweigt, du fragst:

welcher Vogel bohrte sich noch mal den Schnabel in die eigene Brust?

Ich komme nicht auf den Pelikan

weiß jetzt, Trauer beginnt mit angestoßenen Ellenbogen

und zieht bis in die Fingerspitzen

betäubt vorsorglich schon einmal neue Berührungen


VII

iets in het vlees, uren na het schot nog, zal pulseren

tot ook dat op is, herinnering aan een hartslag

welk dier hielden we ons voor te willen raken?

we jaagden altijd al op elkaar in onszelf

zijn wij dat werkelijk geworden? ingezouten en opgehangen

rantsoen van onze idealen, luchtfoto van de toenmalige plek

waar we elkaar eindelijk onszelf zouden vergeven, wanneer dan?

zelfs het schrijven is bezig te versterven, mijn handschrift sleept

naar links, sleept me rugwaarts terug de jaren in

in je oksel een bres voor bedenktijd, waar ik de holte vond

waarin mijn hele onvermogen kon, toen heb ik het gedaan

van jou en mij met opzet onderdelen uit een modelbouwpakket gemaakt

 

VII

etwas im Fleisch, noch Stunden nach dem Schuss, wird weiter pulsieren

bis auch das vorübergeht, Erinnerung an einen Herzschlag

welches Tier, behaupteten wir, wollten wir zur Strecke bringen?

Wir machten schon immer Jagd aufeinander ineinander

ist das wirklich aus uns geworden? Eine gepökelte und abgehangene

Ration unserer Ideale, eine Luftaufnahme des Ortes von damals

an dem wir einander endlich uns selbst vergeben würden, wann bloß?

Sogar das Schreiben stirbt allmählich, meine Handschrift reißt

nach links aus, reißt mich rückwärts zurück in jene Jahre

in deine Achsel, Bedenkzeit im Zwischenraum, wo ich eine Höhle fand

in die mein ganzes Unvermögen passte, damals habe ich es getan

aus dir und mir mit Absicht Teile eines Modellbaukastens gemacht


VI

een goochelaar zaagt me in twee stukken en klapt me open

naar het publiek, mijn lege romp onthuld na de nacht, na de slag

waarin ik generaal en sterveling werd, grond en organen verloor

jou vergat door de trompetten van de optocht in mij

bij het achteromkijken al zag ik hoe je je jas van de kapstok zou nemen

een klein finaal gebaar, de teleurgang tussen schouderbladen

en toch gemarcheerd, verder het diepe in, verder dan de blinde klip

daar in inkeer uiteengevallen – natuurlijk, in wat anders

dan in een kermend geluid? het verraadt me op het podium

iedereen kijkt, ik zeg nog ‘liefste’ en ‘weigering’

en ‘vergeef me’, maar het applaus is eindeloos

na afloop word ik niet gehecht


VI

ein Zauberer sägt mich in zwei Teile und klappt mich auseinander

fürs Publikum, mein ausgehöhlter Rumpf ausgestellt nach der Nacht, der Schlacht

in der ich General und Sterbliche war, Boden und Organe verlor

dich vergaß im Lärm der aufmarschierenden Trompeten in mir

und beim Blick zurück schon sah, wie du die Jacke vom Kleiderständer nehmen würdest

eine kurze abschließende Geste, ein Untergang zwischen Schulterblättern

und doch im Gleichschritt voran, in die Tiefe, über die blinde Klippe

dort in einem Moment der Besinnung zerbrochen – was war ich noch

anderes als ein paar wimmernde Geräusche? Die mich auf der Bühne verraten

alle schauen, ich sage noch „Liebster“ und „Verweigerung“

und „Vergib mir“, aber der Beifall ist schier endlos

als alles vorbei ist, werde ich nicht wieder zusammengenäht


V 

Europa, een inwisselbaar landschap achter het autoraam, ondergeschikt

aan welk nummer er op de radio draait, aan wat er door ons heen glijdt

bij het staren naar de snelweg, in cadans de kerken, de Tsjechen en de verte

het herhaalt zich, zoals wij ons jaar na jaar nu, onbedoeld maar halsstarrig herhalen

Wenen wordt onze woonkamer, de Donau een geknelde zenuw, zelfs het vrijen

langdradig in de droge hitte, ik slik muggen in, altijd en later

twee tijdstippen die bij de keel grijpen, nu ze vanzelfsprekend en aangebroken zijn

wij meer dan ooit de gietvorm van ons geluk en niet het geluk zelf, dat glijdt voorbij

de plaatsnaamborden, voorbij de tinteling en de twijfel, daarna

op de autostopplaats de milde stilstand van elkaars glimlach

waarachter een schreeuw smeekt dat we het steeds van elkaar zullen weten

het heimelijk verbond, wat ons opzweept en de strop


V

Europa, eine austauschbare Landschaft hinter den Autofenstern, abhängig

von der Nummer, die im Radio läuft, von dem, was in uns fährt

während wir auf die Autobahn starren, im Takt Kirchen, Tschechen, Weite

das wiederholt sich alles, so wie wir uns Jahr auf Jahr ungewollt aber starrsinnig wiederholen

Wien wird zu unserem Wohnzimmer, die Donau ein eingeklemmter Nerv, sogar der Sex

wird fade in der trockenen Hitze, ich verschlucke Mücken, immer und später

zwei Zeiten, die dir an die Kehle gehen, jetzt, wo sie selbstverständlich, angebrochen sind

und wir mehr denn je die Blaupause unseres Glücks und nicht das Glück selbst sind, das gleitet vorbei

an den Ortsschildern, vorbei auch Kitzel und Zweifel, danach

auf dem Parkplatz der milde Stillstand unseres Lächelns

hinter dem ein Schrei darum fleht, dass wir beide uns immer erinnern werden

an das geheime Band zwischen uns, an das, was uns antreibt und den Strick


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