Band 1 enthält die Kapitel 1 bis 8 aus dem Huainanzi
Aus dem Chinesischen von Viktor Kalinke
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Das Huainanzi 淮南子 ist ein philosophisches Sammelwerk aus der Zeit der frühen Han-Dynastie (2. Jh. v.u.Z.), das unter der Schirmherrschaft von Liu An entstand. Die ersten acht Kapitel behandeln vor allem kosmologische, naturphilosophische und politische Grundfragen. Zu Beginn wird das Dao 道 als Ursprung und ordnendes Prinzip des Universums dargestellt. Die Texte beschreiben die Entstehung von Himmel und Erde sowie die Wechselwirkungen von Yin und Yang und der Fünf-Phasen-Lehre (Wandlungsphasen). Der Mensch erscheint als Teil dieses kosmischen Gefüges und soll im Einklang mit den natürlichen Rhythmen handeln. Ein zentrales Thema ist das Ideal des Nicht-Eingreifens (wuwei), das besonders in der Regierungslehre betont wird. Gute Herrschaft bedeutet, sich an den kosmischen Ordnungen zu orientieren und nicht künstlich in natürliche Prozesse einzugreifen. Außerdem werden Fragen von Erkenntnis, Wahrnehmung und Relativität menschlicher Urteile behandelt. Philosophisch zeigt das Werk starke Verbindungen zum Daoismus, insbesondere zu Ideen aus dem Laozi (Daodejing) und dem Zhuangzi. Gleichzeitig enthält es konfuzianische Elemente (ethische Ordnung, Selbstkultivierung des Herrschers), Einflüsse der Legalisten (Staatsorganisation) sowie naturphilosophische Konzepte der Yin-Yang-Schule. Insgesamt verbinden die ersten acht Kapitel metaphysische Kosmologie mit praktischer Staatslehre und präsentieren eine synkretistische Philosophie, die verschiedene Denktraditionen der chinesischen Antike integriert.
Das Werk wurde von Viktor Kalinke erstmals ins Deutsche übersetzt und erscheint in drei Bänden.
Liu An 劉安 (180 – 122): König von Huainan, einem großen Fürstenstaat auf dem Gebiet der heutigen Provinz Anhui. Liu An’s Großvater war Kaiser Gaozu. Sein Vater, Fürst Liu Chang, vom Temperament her jähzornig, hatte sich in jungen Jahren an einer Verschwörung gegen den Kaiser beteiligt, fiel in Ungnade und sollte verbannt werden, doch er zog den Hungertod vor. Zu dieser Zeit gaben sich die Prinzen Ausschweifungen hin und beschäftigten sich mit Frauen, der Jagd und Pferden. Liu An jedoch zeigte sich dem Studium gegenüber aufgeschlossen, widmete sich der Literatur, Philosophie und Musik, begeisterte sich für Fu-Gedichte, meisterte die Künste der Weissagung und Alchemie. Angeregt von Gesprächen mit seinen Gästen, förderte Liu An eine Gruppe von Gelehrten, allesamt herausragende Talente aus dem ganzen Land, gemeinsam das Huainanzi zu verfassen, eine philosophische, sprachlich raffinierte Enzyklopädie zu Daoismus, Politik, Naturphilosophie, Astronomie, Ethik, Geschichte und Staatskunst – um es 139 v.u.Z. dem frisch gekrönten Kaiser Wu, einem Neffen von Liu An, zur Thronbesteigung zu überreichen. Heute bietet das Huainanzi ein Spiegelbild des altchinesischen Denkens, in dem der Daoismus und Elemente des Konfuzianismus, der Yin-Yang-Lehre sowie des Legalismus zusammenfließen. Damit leistete Liu An einen der bedeutendsten Beiträge zur chinesischen Literaturgeschichte. Der Kaiser jedoch schmähte sein eigenständiges Denken und Engagement für einen dezentralen Staat. Im Jahr 122 v.u.Z. wurde Liu An der Verschwörung beschuldigt. Er nahm sich – der kaiserlichen Geschichtsschreibung zufolge – das Leben, um einer Bestrafung zuvorzukommen. In der daoistischen Philosophie und Spiritualität blieben Liu An und sein bahnbrechendes Werk in Erinnerung. Außerdem wird er im Volk bis heute als der Erfinder des Tofu verehrt.
Viktor Kalinke: geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Promotion, Professur, lebt in Leipzig, übersetzte und kommentierte das Daodejing von Laozi, das Buch Zhuangzi sowie das Kapitel Fangnei aus dem Ishinpo.