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Racin, Koco: Weiße Dämmerungen

ISBN:
978-3-86660-256-4
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Gedichte, zweisprachig

Aus dem Mazedonischen von Wolfgang Eschker


Erscheint im Frühjahr 2020 - jetzt zum Vorzugspreis vorbestellen!

Den größten Teil seines kurzen Lebens hat der 1908 in Veles geborene mazedonische Dichter, Erzähler, Essayist und Publizist Kočo Racin in der Illegalität und in Gefängnissen verbracht. Angesichts eines solchen Lebenslaufes ist Kočo Racins literarisches Schaffen umso erstaunlicher. Besondere Beachtung verdient sein Hauptwerk, die Lyriksammlung Beli mugri (Weiße Dämmerungen). Es ist dies die erste Gedichtsammlung in mazedonischer Sprache überhaupt. Der illegal im kroatischen Samobor gedruckte und im November 1939 in Zagreb erschienene schmale Band umfaßt nur zwölf Gedichte, wobei es sich zweimal ("Elegien für dich" und "Ach, hätte ich in Struga einen Laden") um je einen Zyklus von sechs beziehungsweise sieben Gedichten handelt. In diesen sozial engagierten Gedichten klagt Racin über die unhaltbaren Zustände in Mazedonien zwischen den beiden Weltkriegen an, über die bittere Not der  Bauern, das Elend der Fabrikarbeiter, die Ausbeutung der Tabakpflanzer und das armselige Dasein der Tagelöhner, die als Wanderarbeiter oft monatelang von ihren Familien getrennt waren.

Auf den Punkt gebracht hat Racins soziales Engagement sowie den Einfluß der Volkspoesie auf sein lyrisches Hauptwerk Beli mugri der Münchner Slavist Alois Schmaus (1901-1970):

„Damals erwies sich besonders der junge Autodidakt Racin als begabter Lyriker, der in Rhythmus und Tonfall seiner Verse die volksdichterische Tradition dem Ausdruck persönlichen Erlebens und der Auseinandersetzung mit sozialen Problemen seiner Heimat dienstbar zu machen wußte.“


Die Bedeutung von Kočo Racins Gedichtsammlung Weiße Dämmerungen ist in ihrer kulturellen, historischen und politischen Bedeutung für das mazedonische Volk nicht zu überschätzen.

Leseprobe:

Tage

 

Wie Ketten am Hals,

wie Reihen kalter Steine,

so lagen und lasteten

auf den Schultern die Tage.

 

Sind das etwa Tage ­– Tage

voll großer Qual im Tagelohn!

 

Steh am Morgen früher auf,

komm am Abend später heim,

am Morgen nimm die Freude mit,

am Abend bring die Trauer mit –

 

ach, verflucht sei dieses Hundeleben,

und verflucht auch soll es bleiben!

 

Der Mensch wird geboren und – wird zum Sklaven,

der Mensch wird geboren und – stirbt wie Vieh,

schuftet wie Vieh ein Leben lang

für anderen, fremden Besitz.

 

Für fremde weiße Paläste

grab du dir schwarze Gräber!


Für dich selbst nur schinde dich,

für dich selbst nur plage dich –

reih aneinander die Kette der Tage,

reih aneinander die ehernen Ringe,

 
lege die eiserne Kette

nur für dich selbst um den Hals!



Trauer

 

Gibt es kein Leben, gibt es keine

Liebe zum großen Leben,

Liebe zum menschlichen Leben

in der Brust der Tagelöhner?

 

Gibt es kein Herz, gibt es kein

Herz – Herz aller Herzen,

Herz – weit an Weite,

Herz – tief an Tiefe –

die ganze Welt darin zu fassen

und noch zu klein für diese Brust?

 

Gibt es keinen hellen Tag, gibt es keinen

Tag, der Tag der Tage wäre,

Tag für alle Tagelöhner –

Tag – hoch wie die hohe Sonne,

Tag – breit wie das breite Meer,

daß die Sonne stillesteht, daß verwundert

anhält auch die Zeit:

 

Es sprengt das Herz die Ketten,

entfaltet eine rote Fahne,

dies Herz, das ganz sich öffnet

und sich weit ins Weite weitet –

die ganze Welt zu umfassen!     


   

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