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Crnjanski, Milos: Ithaka

ISBN:
978-3-86660-053-9
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Gedichte, zweisprachig. Aus dem Serbischen von Viktor Kalinke (nach Vorlagen von Stevan Tontic und Cornelia Marks)

Milos Crnjanski zählt zu den herausragenden Autoren der serbischen Avantgarde. Ihm ist es gelungen, die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs zu überleben und eine Zuflucht zu suchen in imaginären Welten. Seine poetische Prosa hat die moderne serbische Literatursprache geradezu erschaffen. Die Ursprünge Crnjanskis liegen jedoch in der Lyrik. Ithaka ist kein harmloses Gedichtbändchen für den Nachttisch. Ithaka ist die grausame Abrechnung mit dem alten Mitteleuropa der k.u.k. Monarchie und in seiner sarkastisch-pazifistischen Haltung aktueller denn je zum Verständnis der fortwährenden Konflikte auf dem Balkan. Crnjanski bricht sowohl mit den Großmachtträumen Serbiens, die sich auf Zar Dusan und das Amselfeld berufen, als auch mit dem verlogenen Humanismus der Westmächte.

1967, acht Jahre nach Erscheinen des Originals, publizierte der Suhrkamp-Verlag Peter Urbans Übersetzung der Kommentare zu Ithaka, die Crnjanski zu seinen Gedichten schrieb. Der im Jahr 1919 in Belgrad für Aufruhr sorgende Gedichtband selbst blieb dem deutschsprachigen Publikum bislang vorenthalten - eine absurde Editionsgeschichte, die mit der vorliegenden Ausgabe endlich ihren Abschluß findet. Ist expressionistische Lyrik mit pazifistischer Botschaft - in der Kalkulation der einschlägigen Verlage - nicht mehr "angesagt"? 

Milos Crnjanski (1893-1977): geb. in Csongrád (Ungarn), studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Wien, Belgrad und Paris, erzwungenermaßen k.u.k. Offizier im Ersten Weltkrieg, Anarchist und Sozialist, zahlreiche Romane, Reisebeschreibungen, Dramen und Essays, übersetzte klassische chinesische und japanische Lyrik, gründete verschiedene Zeitschriften, u.a. Puteve (Wege), ab 1928 Kulturattaché in Berlin, Rom und Lissabon, 1934 Herausgabe der rechtsgerichteten Zeitschrift Ideje (Ideen), Emigration nach London, 1965 Rückkehr nach Belgrad.

"Die wahrhaft monumentalen Stoffe stehen nicht im Widerspruch zur Leichtigkeit und smaragdenen Transparenz der Sprache, aus der diese Gedichte gebaut sind." Marko Ristic

"Milos Crnjanski gehört - mit Ivo Andric und Miroslaw Krleza - zum Dreigestirn der jugoslawischen Klassiker der Moderne ..." Ilma Rakusa


Leseprobe:

´ivot

Sve to ne zavisi od mene.

Setim se kako beše lep,
nad vodama dubokim nekim,
kao Mesec beo,
sa lukom tankim i mekim,
jedan most.

I, vidiš, to, uteši me.

Ne zavisi od mene.

Dosta je do toga dana,
zemlja oko mene zamiriše preorana,
ili da oblaci prolete,
malo ni¸e,
pa da me to potrese.

Ne, ne od mene.

Dosta će biti ako, jedne zime,
iz vrta jednog zavejanog,
istrči neko ozeblo, tuđe, dete
i zagrli me.

Beograd, 1920.


Leben

All das hängt nicht von mir ab.

Ich entsinne mich, schön war sie,
übers tiefe Wasser gespannt,
wie der weiße Mond,
mit schmalem, weichem Bogen,
jene Brücke.

Und, siehst du, das tröstet mich.

Es hängt nicht von mir ab.

Es genügt, daß an diesem Tag
die gepflügte Erde um mich herum duftet,
und daß die Wolken etwas
tiefer vorüberziehen,
und daß mich das berührt.

Nein, nicht von mir.

Es wird genügen, wenn im Winter
aus einem schneeverwehten Garten
fröstelnd ein fremdes Kind eilt
und mich umarmt.

Belgrad, 1920. 

Aus dem Serbischen von Viktor Kalinke & Cornelia Marks


Serenata

Čuj, plače Mesec mlad i ¸ut.
Slušaj me, draga, poslednji put.

Umreću, pa kad se za¸eliš mene,
ne viči ime moje u smiraj dana.
Slušaj vetar sa lišća svelog, ¸utog.

Pevaće ti: da sam ja ljubio jesen,
a ne tvoje strasti, ni članke tvoje gole,
no stisak granja rumenog uvenulog.

A kad te za mnom srce zaboli:
zagrli i ljubi granu što vene.
Ah, niko nema časti ni strasti,
ni plamena dosta da mene voli:

No samo jablanovi viti
i borovi pusti ponositi.
No samo jablanovi viti
i borovi pusti ponositi.

Potkamien, u Galiciji, 1915.


Serenade

Hör, wie der Mond weint, jung und gelb.
Hör mich, Liebste, noch ein letztes Mal.

Ich sterbe, sehnst du dich zurück nach mir,
rufe, wenn der Tag sich neigt, nicht meinen Namen.
Hör den Wind im gelben, welken Laub.

Er singt dir: den Herbst hab ich geliebt,
ich liebte weder deine Lust noch deinen Leib,
nur die Umarmung der rot verwelkten Zweige.

Und wenn du dich im Herzen nach mir sehnst:
umschlinge und küsse einen toten Ast.
Ach! Ehre fehlt und Leidenschaft,
mich zu lieben, hat kein Feuer genug Kraft:

Nur die Pappeln, hochgewachsen schlank,
und die Föhren, stolz und einsam, krank.
Nur die Pappeln, hochgewachsen schlank,
und die Föhren, stolz und einsam, krank.

Potkamien, in Galizien, 1915.

Aus dem Serbischen von Viktor Kalinke & Stevan Tontic


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