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Kalinke, Viktor: Herbst auf Sumatra

ISBN:
3-934015-38-7
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Ein poetischer Dialog mit Milos Crnjanski. Mit Holzschnitten von Inka Grebner

Intuition, Assoziation, grenzenlose Befreiung erhebt Crnjanski zu seinen Dichtungsprinzipien, es geht ihm um die Kraft der Visionen, um inneres Erleben, subjektives Gestalten und um den Gegensatz zwischen Realität und Irrealität. Viktor Kalinke greift Motive und Farben der Poesie Crnjanski’s auf und tritt in Dialog mit einem "toten Dichter".

"Milos Crnjanski (1893 - 1977) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des serbischen Expressionismus und wurde vor allem durch seine Gedichtzyklen zur griechischen Antike ("Lyrik Ithakas") und zur chinesischen Philosophie bekannt. Städte Italiens wie Florenz oder Venedig haben den Dichter besonders inspiriert, so wie Orte in Serbien, die er nichtverklärt, sondern in ihrer kulturellen und geografischenBedeutung dem fernen Sumatra, das er nie sah, gleichstellt. Der Leipziger Autor und Herausgeber Viktor Kalinke hat sich längere Zeit mit der Dichtung Crnjanskis beschäftigt und ist in dem Buch "Herbst auf Sumatra" mit eigenen Gedichten auf den Spuren des Serben in einen poetischen Dialog getreten. Die fiktive Welt Crnjanskis, aus der Not des eigenen Schicksals geformt, dient Kalinke als Folie für seine Wirklichkeitsverarbeitung, die ihrerseits wieder ins Fiktive umschlägt, womit sich der Kreis des Dialoges schließt. Überall aber ist die Einsamkeit des poetischen Ichs spürbar, als Zeichen innerer Verwandtschaft aller Dichter, die in dem Satz Kalinkes kulminiert: " ... sie lieben die Einsamkeit / aber ertragen sie nicht allein" (der früh verstorbenen Beatrix Haustein gewidmet, von der im letzten Heft Gedichte zu lesen waren). Kalinke schreibt über Städte und Reisen, Schnittpunkte, an denen er den dichterischen Wegen Crnjanskis begegnete, über Orte, Helden und Dichter, aber auch über ganz Intimes. So ist der Dialog Kalinkes gleichwohl eine Anregung für Leser und Fachleute, ins Gespräch mit der modernen serbischen Literatur zu kommen." Heinz Weißflog, Ostragehege

Viktor Kalinke: geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, lebt in Leipzig.

Leseprobe:

Sumatra

Sad smo bezbri¸ni, laki i ne¸ni.

Pomislimo: kako su tihi, sne¸ni

Vrhovi Urala.

 

Rastu¸i li nas kakav bledi lik,

što ga izgubismo jedno veče,

znamo da, negde, neki potok,

mesto njega, rumeno teče!

 

Po jedna ljubav, jutro, u tuđini,

dušu nam uvija, sve tešnje,

beskrajnim mirom plavih mora,

iz kojih crvene zrna korala,

kao, iz zavičaja, trešnje.

 

Probudimo se noću i smešimo, drago,

na Mesec sa zapetim lukom.

I milujemo daleka brda

I ledene gore, blago, rukom.


(Miloš Crnjanski)


Sumatra


Jetzt sind wir sorglos, zärtlich, leicht,

denken: wie still sie sind, in Schnee gehüllt,

die Spitzen des Ural.

 

Wie fährt die Trauer blaß uns ins Gesicht,

wenn wir eines Abends jemanden verlieren,

wir wissen doch, daß, irgendwo, irgendein Bach

statt seiner rötlich fließt.

 

Jede Liebe, jeder Morgen in der Fremde,

schnürt uns die Seele ein, alles wird eng,

mit der grenzenlosen Ruhe blauer Meere,

in denen rot die körnigen Korallen schimmern

wie, in der Heimat, die Kirschen.

 

Wir erwachen nachts und lächeln, liebevoll

zum Mond, der seinen Bogen spannt.

Und wir streicheln ferne Berge

und vereiste Gipfel, sanft, mit bloßer Hand.


(deutsch von Viktor Kalinke, 1. Fassung)



Nördlichstes Sumatra

Hinter der Düne ist nichts zu sehen : mit jedem Schritt

schwillt das Rauschen an : zu hören ist das Meer

mit einem Schritt öffnet es sich den Augen : Ostsee

zartes Meer : ohne Ebbe : Flut

ohne Schlick : ohne Schlack : die Angler

ziehen kraftvolle Aale aus dir : während der Leuchtturm

blinkt : im Sekundentakt gewährt er Zutritt

ins Geisterreich Traum : die Sirene beginnt

zu heulen : aus Betontrümmern schießen U-Boote

heraus : du wälzt dich von rechts nach links 

ich fliehe ins Moor : zwischen Dün- und Niehagen

die Förster wissen : wo Ruhe ist

am Strand lauern unbehaarte Männer

den schlummernden Liebespaaren auf



Die Finger beim Tango

 

Die flüchtigen Begegnungen brennen sich ein : Prägemarke

im Gedächtnis : gut geschminktes Käthe-Kruse-Gesicht

der geflochtene Zopf fällt auf den Hühnchen-Rücken : um

die Wirbelsäule tanzen die Finger beim Tango : die Unfähigkeit

sich loszureißen : wenn allmählich (lentemente) die Füße

lernen : sich zu bewegen : es gibt keine Geste : die Abschied

bedeutet : also winken wir müde : vielleicht : das kostbare

Wort : der Hilflosigkeit entsprungen : wenn uns die Regeln

verlassen : es ist die Sprunghaftigkeit der Sympathie

nach zweistündigem Beinestellen einander das Leben

zu schenken : für eine Sekunde wohnt die Illusion

als Mondfinsternis am Himmel : bevor wir gehen



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