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Trumic, Marina: Zwischen Warschau und Sarajevo

ISBN:
978-3-86660-168-0
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Gedichte. Aus dem Bosnischen von Cornelia Marks

Sarajevo ist die Stadt ihrer Kindheit und Jugend. Hier ging sie zur Schule und schloß ihr Slawistikstudium an der Philosophischen Fakultät ab. Sie arbeitete als Journalistin und Redakteurin für Zeitungen sowie als Dramaturgin fürs Radio in Sarajevo. In Warschau hielt sie Vorlesungen an der Universität. In den Gedichten rufen beide Länder - Bosnien und Polen - für das lyrische Ich ein ähnliches Gefühl von Heimatlosigkeit hervor: "Zwischen Warschau und Sarajevo liegt nicht einmal ein Schritt / Keinerlei Entfernung. Wie in jedem Drama, / bist du am gleichen Ort."  Den zeitlichen Rahmen der Gedichte dieses Bandes bilden die Jahre 1991 bis 1999. Das Hauptthema, das sich in den Texten von Marina Trumic widerspiegelt, ist der Zerfall Jugoslawiens, während sie sich gleichzeitig mit ihrer zweiten Heimat, Warschau, auseinandersetzt. Sie befindet sich quasi ständig in einem lyrischen Dialog sowohl mit Warschau als auch mit Städten wie Sarajevo, Dubrovnik, Belgrad. Die Gedichte muten schwerelos an, wie losgelöst von Raum und Zeit, wie die zarte Philosophie über die eigene Existenz, vom Gefühl getragen, daß die Verbannung „eigentlich unser einziger natürlicher Zustand ist".

Marina Trumic (1939-2011): geb. in Belgrad, Schule und Slawistikstudium in Sarajevo, Journalistin, Radiodramaturgin, schrieb Romane, Erzählungen, Essays, Reiseberichte und Lyrik.

Cornelia Marks: geb. 1969 in Erfurt, Studium der Slawistik und Germanistik, Studienaufenthalte in Makedonien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Russland; seit 2007 freiberufliche Übersetzerin, Teilnahme am Internationalen Poesiefestival in Sarajevo 2008, 2009, 2010 und 2011.

"Marina Trumic schaut auf die Marter Sarajevos aus einer fernen, aber der Erfahrung nach einer Sarajevo nahen Stadt - aus Warschau, jenem Warschau, das im vergangenen Krieg vom Faschismus dem Erdboden gleich gemacht worden war… Die Erfahrung der Dichterin, ihr ganzer Lebensfilm, den sie in der Warschauer Einsamkeit dreht, ist eigentlich in der Stadt unterm Trebevic [Sarajevo] geblieben, das, was sich in einem leeren Zimmer wiederholt, in dem die Telefone nicht klingeln, und in einer Ferne, in der ‚der Stern der entfernten Heimat flimmert’." Mile Stojic

Zwischen Warschau und Sarajevo: Gedichte über das Verbanntsein, die Stille und das Recht auf Liebe
Ralf Julke, L-IZ
⇒ 
www.l-iz.de/Bildung/Bücher/2013/12/Marina-Trumic-Zwischen-Warschau-und-Sarajevo-52911.html

Leseprobe:


Samo postojanje ne boli,

tek je misao o njemu bolna.

* * *

 

Das Dasein selber tut nicht weh,

nur der Gedanke daran schmerzt.


* * *

 

A ti! Što si mislila?


Da zaslu¸uješ nešto

drugo,

da je Visla

ljepša od Miljacke,

Varšava nešto veća,

nešto dulja, nešto dalja,

da si došla

na pravo mjesto.

Kako se varaš!

Nema tu sličnosti,

nema razlike.

Između Varšave i Sarajeva nije

čak ni korak.

Nikakva razdaljina.

Kao u svakoj drami,

na istom si mjestu.

 

 

Warszawa, 1996.

 


* * *

 

Und du! Was dachtest du?

Dass du etwas

anderes verdientest,

dass die Weichsel

schöner als die Miljacka sei,

Warschau ein wenig größer,

ein wenig breiter, ein wenig weiter,

dass du angelangt seiest

am richtigen Ort.

Wie du dich irrst!

Da gibt es keine Ähnlichkeit,

keinen Unterschied.

Zwischen Warschau und Sarajevo liegt

nicht einmal ein Schritt.

Keinerlei Entfernung.

Wie in jedem Drama,

du bist am selben Ort.


Warschau, 1996.


SLIČNOST

 

Šesnaest topola pred mojim

prozorima povijaju se

na jednu i drugu stranu

Svaki listić treperi na vjetru

tisuće treptaja

u trenu

Svjetlost do besvijesti ponavlja

svoju igru

pred prozorima

Samo jedna topola

svojim suhim granama

razmahuje pred prozorima

kao da hvata zrak.

Znam kako joj je u grudima.

 


ÄHNLICHKEIT

 

Sechzehn Pappeln unter meinen

Fenstern wiegen sich

hin und her.

Jedes Blättchen zittert im Wind

ein tausendfaches Funkeln

in jedem Augenblick.

Das Licht wiederholt bis zur Besinnungslosigkeit

sein Spiel

unter den Fenstern

Nur eine Pappel

zappelt kraftlos mit ihren welken Zweigen

unter den Fenstern

als ob sie nach Luft schnappe.

Ich weiß, wie ihr im Innern zumute ist.

 


BILA JE GREŠKA

 

Cijeli dan je prošao

a telefon nije zazvonio.

Ni sutra nije zazvonio.

Ni prekosutra nije zazvonio.

Ni četvrtog dana nije zazvonio.

Petog dana, napokon, zazvonio je

telefon.

Od uzbuđenja tresle su mi se ruke dok sam

uzimala slušalicu.

Drhteći od očekivanja, rekla sam:

Halo!

Bila je greška.

ES WAR EIN IRRTUM


Der ganze Tag verstrich

und das Telefon läutete nicht.

Auch am nächsten Tag läutete es nicht.

Auch am übernächsten Tag läutete es nicht.

Auch am vierten Tag läutete es nicht.

Am fünften Tag, endlich, läutete

das Telefon.

Vor Aufregung zitterten meine Hände als ich

den Hörer ergriff.

Bebend vor Erwartung, sagte ich:

Hallo!

Es war ein Irrtum.

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