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Gerschenowitsch, Marina: Auf der Suche nach dem Engel

ISBN:
978-3-86660-263-2
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Gedichte, zweisprachig
Aus dem Russischen von Erich Ahrndt

Illustrationen von Tatiana Miller

Der Titel Auf der Suche nach dem Engel bringt es auf den Punkt: Marina Gerschenowitsch sucht, so scheint es, im Grunde stetig nach einem rettenden Engel, nach Hilfe aus Nöten. Die Thematik ihrer Gedicht­samm­lung ist vielfältig. Sie setzt sich mit dem eige­nen Schicksal auseinander, benennt innere Nöte, greift biblische Motive auf, bekennt sich klar zu   ihrem Glauben, charakterisiert ihr Verhältnis zu  Ver­wand­ten (besonders zum Vater) und Freunden, er­zählt eindrucksvoll von russischen Menschen. Einige Gedichte widmen sich dem Abschied von der Heimat, dem Neubeginn im fremden Deutschland.

Marina Gerschenowitsch schreibt eine natürliche und schöne, bildhafte, manchmal liedhafte Lyrik, scheut sich nicht zu reimen. Die Art ihrer Darstellung ist breit, ausladend, facettenreich. Ihre Sprache ist ein klares Russisch ohne Manieriertheit oder Koketterie; die Metaphern sind nachvollziehbar, nicht weit her­geholt. Ihre schlichte Poesie bezieht ihre Kraft auch aus mundartlichen oder altertümlichen Wör­tern.

Marina Gerschenowitsch: geb. 1960 in Nowosibirsk, lebt sie seit 1998 in Deutschland, jetzt in Düsseldorf. Sie ist Lyrikerin, übersetzt auch Gedichte aus dem Deutschen, dem Englischen. Marina Gerschenowitsch liest und singt ihre Gedichte, sich auf der Gitarre begleitend. Russische Liedermacherinnen wie Jelena Frolowa haben ihre Gedichte, die oft liedhaft sind, vertont. Marina Gerschenowitsch ist Trägerin der „Goldenen Krone“ des Hauptpreises des internationalen Lyrikwettbewerbs Puschkin in Großbritannien.

Erich Ahrndt: geb. 1932 in Arnswalde (jetzt Choszczno, Polen), lebt in Leipzig, Übersetzer seit 1977, u.a. Werke von Iwan Bunin, Walentin Rasputin, Daniil Granin, Übersetzerprämie des Verlags Volk und Welt 1981, zuletzt: Gedichte von Sergej Jessenin, Marina Zwetajewa, Anna Achmatowa, Bella Achmadulina und Angelina Polonskaja.

Leseprobe:

МЕЛЬНИЦА

 

 Поскрипывает мельница судьбы

под ливнем, нисходящим с небосклона.

Мы просим быть погоду благосклонной,

чтоб не сломило бурею столпы.

 

Закрыта дверь. Утерян ключ давно.

Незримый мельник правит жерновами.

Посмеиваясь, он следит за нами

в раскрытое чердачное окно.

 

Он перепутал имена, года,

а вместе с ними спутал наши души.

Но он один из тех, кто был нам нужен,

как мельнице была нужна вода.

 

И с той поры на много лет вперед

нам суждено не понимать друг друга.

Наш путь кружит по мельничному кругу,

в котором каждый сам себя найдет.

 

 

1977

 


Die Mühle

  

Des Schicksals Mühle unterm Regen knarrt,

der prasselnd niedergeht vom Himmelsrande.

Dass Sturm nicht brech die Säulen unsrer Lande,

bitten wir’s Wetter: Sei nicht gar so hart.

 

Die Tür verschlossen. Schlüssel längst vermisst.

Ein unsichtbarer Müller lenkt die Steine.

Aus offner Bodenluke folgen seine

spöttischen Blicke uns, die er vergisst.

 

Verwechselt unsre Namen, unser Jahr,

vergisst damit zugleich auch unsre Seelen.

Doch wie das Wasser würd’ der Mühle fehlen,

so brauchten wir ihn, als es nötig war.

 

Seit damals ist es uns bestimmt, uns fremd,

zu fern zu sein, einander zu verstehen.

Wie’s Mühlrad gehen unsre Wege, drehen

den Kreis, in dem sich jeder selbst erkennt.

 

 

1977


 


ИНВЕНЦИЯ

 


Очнувшись ночью, с простыней взлетев,

с крестом нательным, в ситцевой рубахе,

играю в абсолютной темноте

инвенцию божественного Баха.

Моими пальцами ведется разговор

между веками клятвенно, пространно...

Дрожал когда-то лейпцигский собор,

немела паства от его органа.

 

Нет среди нас, не числится в святых.

Ушел, устав к Всевышнему стучаться.

Коснись рукою лба и просвети,

как должно жить, любить, прощать, прощаться...

Как удержать в покое, научи,

изменчивый пейзаж Фата-морганы.

На клавишах инвенция звучит.

Им вторит эхо трубами органа.

 

 

1978

 

 

 


Invention

 

 

Des Nachts erwacht, das Laken rasch gerafft

als Kreuz am Leib, das wie’s Kattunhemd derb mich

umfängt, spiel ich im Dunkeln geisterhaft!

die Invention des großen Bach: unsterblich.

Die Finger greifen wie beschwörend, kommt mir vor,

Jahrhundert mit Jahrhundert zu vereinen…

In Leipzig bebte einst der Kirche Chor,

stumm lauschte seiner Orgel die Gemeinde.

 

Er ist nicht mehr, als Heilger nicht geführt.

Er ging, beim Schöpfer anzuklopfen müde.

Du, dessen Hand leicht meine Stirn berührt,

erleucht mich, wie zu leben, scheiden, lieben…

Rat mir, wie mach ich’s, dass sie mich verschon,

der tückischen Fata Morgana Laune.

die Tasten intoniern die Invention.

Im Nachhall dröhnt die Orgel wie Posaunen.

 

 

1978


 

 

ЕЩЕ ОДИН РОМАНС

 

Прости меня, мой ласковый жилец,

ты в сердце поселился ненадолго.

И не дари мне краденых колец.

Ни в благодарность, ни из чувства долга.

 

Найдя приют, еще не знаешь ты,

что поутру опять лишишься крова,

что отнял ты частицу теплоты

у равного, но все-таки другого...

 

Трех путников какая участь ждет?

Никто их вас мне толком не ответил.

Несчастен тот кто от нужды крадет,

и жалок кто пропажи не заметил.

 

 

1985

 

 


Noch eine Romanze

 

 

Verzeih, mein Freund, und zieh nun freundlichst aus,

in meinem Herzen wohntest du nicht lange.

Und schenk mir keine Ringe, die du klaust.

Aus Pflichtgefühl nicht und auch nicht zum Danke.

 

Findst Wohnung du, ist dir noch nicht bewusst,

dass schon des Morgens du musst weiter wandern,

dass du ein Quäntchen Wärme nahmst: Verlust

auf Augenhöhe zwar, doch eines andern...

 

Drei Wanderer sag, welches ist ihr Los?

Keiner von euch die rechte Antwort wählte.

Unglücklich ist der Dieb aus Notund bloß

erbärmlich, wer nicht merkte, was ihm fehlte.

 

 

1985

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