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Gehrisch, Peter: Tunnelgänge - Hardcover

ISBN:
3-86660-011-9
Bearbeitung:
ca. 1-2 Tage ca. 1-2 Tage
19,95 EUR
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Gedichte. Künstlerischer Festeinband. Mit einer Umschlagvignette von Ingrid A. Schmidt

Die Wahrnehmung, die Welt bestehe als ein transzendentes System von Tunnelgängen, ist bei Peter Gehrisch in der Kindheit entstanden. Pränatale Ängste, Beklemmung und konkrete Bedrohung während der Bombenabwürfe auf Dresden kennzeichnen seinen Erfahrungshintergrund. Die Umstände der stark beschädigten Welt formten seine Rezeptivkraft. Der Zusammenbruch des Kommunismus 1989 weckte in ihm die Illusion einer handhabbaren Veränderung. Nach kurzer Zeit aber wurde er sich des Tunnel-Syndroms wieder bewußt und lenkte seinen geistigen Hunger auf einen grotesken Umgang mit der gegenwärtigen Tunnel-Welt.

Peter Gehrisch: geb. 1942 in Dresden, Mitherausgeber der Zeitschrift für Literatur und Kunst OSTRAGEHEGE, lebt in Dresden und Lwówek Śląski

"Bestach der 1942 in Dresden geborene Autor stets durch die kongeniale Korrespondenz der strikt ins Detail ausgearbeiteten Form mit dem genau durchdachten metaphysischen wie auch die menschlichen Tiefen auslotenden Gehalt seiner Texte, so fügen die 'Tunnelgänge' dem weitere, neue und überraschende Aspekte hinzu." Uta Wiedemann (Dresdner Neueste Nachrichten)

Leseprobe:

Mit jedem Wort bin ich

Ohne Begriff

 

Unbemerkt kehrte mein Reichtum an

Wahrnehmung um

Wusch sich ins Alphabet

Trug

Das Korsett

Grammatikalischer Wort-Bandagen

 

Ich verlernte meine Vernunft

Die Aufklärung

Unterwies mich im Gebrauch einer

Gummischnur

 

Die zog ich und zog

Die Fragen

Katapultierten sich mir ins Gesicht

 

* * *

 

Die Welt ist anders

Als das Echo

Dir weismachen will

Gefiedert, fern

In Nacht-Etagen dort hockt sie

Im Aufbegehren der Dissidenten

Die das ewige Dafür

Und Dagegen nicht erspürten

Im Quarren

Geschnäbelter Wichtigtuer

In den erhobenen Flaggenzeichen

Einer Ideologie

Die Sonne zu täuschen

In blinden, faulenden Augen

Sitzt sie

Hinter glitzernden Schlieren

Und brütet – ein gefangener

Traum (die Liebe

Die dir fremd blieb)

Das unersättliche

Ich bin der ich bin

 

* * *

 

Es ist ja nur Talmi

Mit dem wir laut-

Lose Zwiesprache

Tauschen

 

Untauglichen Blicks streifen wir

Über die aus Gewohnheit

Eroberten Körper

 

Verführt

Von schizophrener Begierde

Reisen die Fingerkuppen über das Silber-Tableau

Ertasten

Die kunstvoll zusammengesteckten Nippes-Gegenstände

 

Unser Mund ruft – Da! Da! –

Und wir halten – zu Argwohn nicht fähig –

Münzgold in den geköderten Händen

Für den flüchtigen Tausch

Den Chronos uns gönnt

 

Doch schon schiebt der Irrtum uns

Hieroglyphen

Über den Mund

 

* * *

Bei Kirke (I)


Während ich in deinem betäubenden

Schenkelfleisch lag verführt

Von Vergessenheitsdüften – Moschus

Rausch, Schmeichelei –

Spürte ich plötzlich die Zeit im Genick

 

Sah: Meinen Gefährten genügte die Grütze

Im Becken

Saufen, Krauchen, Kopulation

 

Rief: Wär dieser Trieb nicht – Ithaka –

Und der scharfe

Geschmack auf der Zunge – Hermes’

Harm-Fraß

Auf-

Geschossen im Trojanischen Feuer-

Sturm

 

Ich genöß eure Show

Das alltägliche

Somnium:

Matte

Ekstase: Glotzaugen – Bauchtanz, Ballett

Kleb-Etikett

 

Nein, Futterluken

Schlurft, gafft nur und lacht!

Ich aber, Narr

Werde die Toten kitzeln im faulenden Laub die

Gierig auf Körperlichkeit

Ihr Wissen in düsteren Tunneln verbergen

Bis sie mir Auskunft erlauben

 Auf! Ins Labyrinth

Aus Fratzen und Fragezeichen!

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Autor.
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