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Voerckel, Julia & Klemm, Torsten: Kohäsion & Hierarchie in Familiensystemen

ISBN:
978-3-86660-106-2
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Ziel dieser Arbeit ist es, die beiden familienstrukturerfassenden Verfahren des "Familiensystemtest" (FAST) von Gehring (1998) und die "Family Adaptability and Cohesion Scale" (FACES IV, Olson, 2003) miteinander zu vergleichen. Während das Skulpturverfahren FAST die zentralen Dimensionen der Kohäsion und Hierarchie erfasst, misst das Fragebogenverfahren FACES IV die Dimensionen Kohäsion und Flexibilität. So sollten zum einen die Dimensionen und die daraus resultierenden Aussagen über die Gesundheit eines Systems miteinander verglichen werden, zum anderen sollte überprüft werden, ob es sich bei der Kohäsionsdimension um eine lineare oder kurvilineare Dimension handelt. Beide Verfahren wurden an einer 44 Personen umfassenden Stichprobe erhoben. 

So konnte festgestellt werden, dass z.T. erhebliche Unterschiede der beiden Verfahren in den Einschätzungen von Kohäsion und "Gesundheit" der Familienstruktur bestehen. Die Einschätzung des FACES IV von Familien in "balanciert" bis "unbalanciert" weist eine höhere Übereinstimmung mit anderen gesundheitsassoziierten Dimensionen auf. Zum anderen wurden in dieser Arbeit Anhaltspunkte für die Kurvilinearität des Kohäsionskonzeptes gefunden. Die höchste Vorhersagegüte zu gesundheitsassoziierten Variablen wird durch die beiden Kombinationen des FAST mit den Flexibilitätswerten des FACES IV oder dem FACES IV mit den Hierarchiewerten des FAST erreicht, so dass eine Synthese der beiden Verfahren zur umfassenden Diagnostik familiärer Strukturen empfohlen wird.

Mit der Entstehung der Systemischen Theorie, Therapie und Beratung haben sich berühmt gewordene Systemiker und Familientherapeuten wie Minuchin, Satir, Beavers, Selvini-Palazzoli u.v.a. mit der praktischen und theoretischen Erforschung von grundlegenden Familienstrukturen beschäftigt. Immer stand u.a. die Frage nach den Unterschieden zwischen ausgeglichenen Strukturen in Familien und Systemen und solchen Familienstrukturen, die Symptomträger produzieren im Vordergrund. Durch ein tieferes Verständnis von ausgeglichenen ("balancierten", "gesunden") Strukturen sollten Familien innerhalb der therapeutischen Arbeit befähigt werden, sich von den dysfunktionalen Strukturen hin zu funktionaleren zu bewegen. Nachdem der Versuch, bestimmten Strukturen konkrete Symptombilder zuzuordnen gescheitert war, blieb der Wunsch danach, allgemeine symptombegünstigende Strukturen von gesunderhaltenden unterscheiden zu können.

Als einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung und Beschreibung von Familienstrukturen entwickelten Olson et al. seit 1979 das Konzept des Circumplex-Modells. Es wird angenommen, dass vor allem Kohäsion und Flexibilität, aber auch Kommunikation, Widerstandsfähigkeit und Streßerleben in der Familie wesentliche Marker im familiären Geschehen darstellen, die Aussagen über deren Funktionalität machen. Um diese Strukturen auch messbar zu machen, wurde die "Family Adaptability and Cohesion Scale" (FACES) entwickelt. Seit 2003 liegt in der 4. Auflage erstmalig ein Fragebogeninstrument vor, das theoriekonform Kohäsion und Flexibilität einer familiären Struktur messen soll. Zum anderen entwickelte Gehring 1998 ein familienstrukturerfassendes Skulpturverfahren, den "Familiensystemtest" (FAST). Zur Erfassung von Kohäsion und Hierarchie, die beiden, laut Autor wesentlichen Merkmale von familiärer Funktionalität, entstand ein dreidimensionales Verfahren, das mit Hilfe von Miniaturskulpturen die Strukturen erfasst.

Da beide Verfahren die Kohäsion für eine zentrale Dimension bei der Gesunderhaltung von Familien halten, soll dieses Konzept besonders in der Aufmerksamkeit dieser Untersuchung stehen. Die beiden Autoren treffen unterschiedliche Annahmen über das Maß, in dem Nähe, Zuwendung und Bindungsverhalten in Familien unterstützend und förderlich sind und ob es ein "Zuviel" an familiärer Kohäsion geben kann. Während Olson in seinem Circumplex-Modell die Möglichkeit von "zu viel", d.h. unausgeglichener Kohäsion einräumt und Symptombildungen davon ausgehen können, bestreitet Gehring, dass ein "Zuviel" an Kohäsion schädlich sei. Je näher sich Familienmitglieder seien, desto höher sei die Funktionalität der Familie, behauptet Gehring. In dieser Arbeit nun sollen die beiden familienstrukturerfassenden Verfahren jeweils anhand einer Stichprobe aus dem klinischen und aus dem nichtklinischen Bereich miteinander verglichen werden. Im ersten Teil erläutern wir die theoretischen Grundlagen des Untersuchungsgegenstandes. Es erfolgt eine Definition und Abgrenzung der Begriffe der Grenzen in Familien, der Kohäsion, der Hierarchie und der Flexibilität. Außerdem werden diagnostische Möglichkeiten dieser Familienstrukturen vorgestellt.

An den theoretischen Teil der Arbeit schließt sich die Schilderung der Untersuchungsmethodik an. So werden die erfassten Dimensionen und die Strukturtypenbestimmung der Verfahren auf ihre Vergleichbarkeit analysiert. Außerdem wird das Kohäsionskonzept auf Kurvilinearität überprüft. Weiterhin soll der Versuch einer Synthese beider Konzepte unternommen werden, falls sich ergänzende Informationen beider Verfahren vorliegen.

Im Ergebnisteil werden zunächst die allgemeinen und differentiellen Befunde zu den beiden Stichproben berichtet, anschließend die Zusammenhänge zwischen den Variablen analysiert. Den Abschluss der Arbeit bilden die Diskussion der empirischen Ergebnisse, eine Reflexion der verwendeten Methoden und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen für Forschung und Praxis. 


Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung. 5

2 Kohäsion und Hierarchie in Familien. 6

2.1 Familienbegriff 6

2.2 Mensch und Familie im Kontext 9

2.3 Begriff des Systems und der Struktur. 13

2.4 Strukturmerkmale und familienpathologische Konzepte. 15

2.5 Empirische Erkenntnisse zur Gesundheit in Familiensystemen. 27

3 Familiendiagnostik. 30

3.1 Skulpturverfahren. 30

3.2 Der Familiensystemtest – FAST. 32

3.3 Fragebogenverfahren und Prozessmodelle. 37

3.4 Family Adaptability and Cohesion Scale- FACES IV.. 38

3.5 Verbale vs. symbolische Testung. 41

4 Vergleich von FAST und FACES – Methodik. 42

4.1 Rekrutierung der Stichprobe. 43

4.2 Fragebogen und Instrumente. 43

4.3 Operationalisierung der Fragestellung. 47

4.4 Methoden der Datenanalyse. 48

4.5 Stichprobenkennwerte. 50

5 Vergleich von FAST und FACES – Ergebnisse. 50

5.1 Differentielle Befunde zu klinischer und nichtklinischer Gruppe. 51

5.2 Zur Vergleichbarkeit des Konzepts „Kohäsion“ bei Olson und Gehring. 54

5.3 Kurvilinearität der Kohäsion. 55

5.4 Vergleichbarkeit der Dimensionen der Flexibilität (FAST) und Adaptabilität (FACES IV) 61

5.5 Einschätzung der Funktionalität von Familien. 62

5.6 Synthese der Modelle. 64

6 Zur Anwendbarkeit der familiendiagnostischen Verfahren FAST und FACES IV.. 65

6.1 Zusammenfassung und Diskussion der empirischen Ergebnisse. 65

6.2 Kritische Methodenreflexion. 69

6.3 Schlussfolgerungen für Forschung und Praxis. 71

Literatur. 72

ANHANG. 76

Fragebogenverfahren FACES IV.. 76

Ergebnistabellen. 78


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