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Mylius, Klaus (Hg.): Älteste indische Dichtung und Prosa

ISBN:
3-934015-31-X
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3., durchgesehene Auflage

Diese Auswahl vedischer Hymnen, Legenden, Zaubersprüche und ritualistischer Lehren führt in die älteste Literatur Indiens ein. Sie entstammen dem Schaffen von Dichtern, Asketen und Philosophen, die ihr Wort als Offenbarung der Weltseele (Brahman) verstehen. Auch Frauen sind als Hymnendichter bekannt. Der älteste Teil dieser Anthologie entstammt dem Rgveda, die vermutlich zwischen 1200 und 1000 v.u.Z. entstanden ist. Auch die weiteren Texte, Veden, Brahmanas, Upanisaden und Sutras, gehören der vorbuddhistischen Zeit an.

Ihrem Alter zum Trotz bewahren die hier versammelten Texte Aktualität, weisen über Zeit- und Lokalkolorit hinaus - indem sie ausdrücken, was Menschen seit jeher bewegt.

Klaus Mylius: geb. 1930, ist Professor emeritus für Sanskritistik und international bekannt für seine Übersetzungen und Forschungen zu altindischer Literatur. Seine Arbeiten zeichnen sich durch Detailtreue und sprachliche Genauigkeit aus. Im Anhang des Bandes finden sich zahlreiche Wort- und Sacherklärungen.

"Mit dem Erscheinen dieser Arbeit wurde eine fühlbare Lücke gefüllt, denn es gab bis jetzt keine geschlossene und einigermaßen umfassende Wiedergabe der vedischen Literatur in Form einer Übersetzung der Originaltexte." (Margot Gatzlaff, Leipzig)

"Mit dieser Anthologie des ältesten indischen Schrifttums liegt ein Taschenbuch vor, das durch die erstaunliche Reichhaltigkeit seines Inhalts geeignet ist, die vedische Literatur und Denkweise nicht nur dem indologisch Interessierten nahezubringen, sondern darüber hinaus auch in weiten Leserkreisen populär zu machen." (Hertha Krick, Wien)

"This selection which contains many famous texts is an excellent introduction to the Vedic literature." (Prof. J. W. de Jong, Canberra)

"Insgesamt liegt mit dieser Anthologie eine solide, auch literarisch höchst ansprechende Arbeitsgrundlage nicht nur für Indologen vor, sonden - wie vom Autor ausdrücklich erwünscht - auch für Religionswissenschaftler und Philosophen, die, so möchte man sagen, angesichts der hier versammelten ausgezeichneten Übertragungen redlicherweise kaum mehr Zufluacht nehmen können zur 'Ausrede' der sprachlichen Unzugänglichkeit der einschlägigen vedischen Texte." (Alexander Fidora, ZMR 2003)


"Vortrefflich, ... bestechend in der Auswahl." (Dieter B. Kapp, Universität Köln)

Leseprobe:

Der Streit der Sinnesorgane um den Vorrang

Damals stritten die Lebenshauche darum, wer der Vornehmste sei. “Ich bin der Vornehmste – ich bin der Vornehmste!”, so (stritten sie).
Da begaben sich diese Lebenshauche zum Vater PrajÁpati und sprachen: “Erhabener, wer von uns ist der Vornehmste?” Er sprach zu ihnen: “Derjenige von euch, bei dessen Auszug der Körper schlechter als ganz schlecht erscheint – der ist von euch der Vornehmste.”

Da zog die Sprache aus. Nachdem sie ein Jahr lang unterwegs war, kehrte sie zurück und sprach: “Wie habt ihr ohne mich leben können?” – “Wie Stumme, die, nicht sprechend, mit dem Atem atmen, mit dem Auge sehen, mit dem Ohr hören, mit dem Geist denken – so!” Da trat die Sprache (wieder) ein.

Da zog das Auge aus. Nachdem es ein Jahr lang unterwegs war, kehrte es zurück und sprach: “Wie habt ihr ohne mich leben können?” – “Wie Blinde, die, nicht sehend, mit dem Atem atmen, mit der Sprache sprechen, mit dem Ohr hören, mit dem Geist denken – so!” Da trat das Auge (wieder) ein.

Da zog das Ohr aus. Nachdem es ein Jahr lang unterwegs war, kehrte es zurück und sprach: “Wie habt ihr ohne mich leben können?” – “Wie Taube, die, nicht hörend, mit dem Atem atmen, mit der Sprache sprechen, mit dem Auge sehen, mit dem Geist denken – so!” Da trat das Ohr (wieder) ein.

Da zog der Geist aus. Nachdem er ein Jahr lang unterwegs war, kehrte er zurück und sprach: “Wie habt ihr ohne mich leben können?” – “Wie Kinder, die ohne Verstand mit dem Atem atmen, mit der Sprache sprechen, mit dem Auge sehen, mit dem Ohr hören – so!” Da trat der Geist (wieder) ein.

Indem nun der Atem ausziehen wollte, riß er, wie ein edles Pferd die Pflöcke der Fußfessel mit sich fortreißt, die anderen Sinnesorgane mit sich fort. (Diese) kamen bei ihm zusammen und sprachen: “Erhabener, sei (der Vornehmste)! Du bist von uns der Vornehmste. Zieh nicht (von uns) aus!”

Da sprach zu ihm die Sprache: “Woran ich besonders reich bin, daran bist (auch) du besonders reich.” Da sprach zu ihm das Auge: “Womit ich die Grundlage bin, damit bist (auch) du die Grundlage.”

Da sprach zu ihm das Ohr: “Womit ich das Gelingen bin, damit bist (auch) du das Gelingen.” Da sprach zu ihm der Geist: “Womit ich der Zufluchtsort bin, damit bist (auch) du der Zufluchtsort.”

Fürwahr, man bezeichnet sie nicht als Sprachen, nicht als Augen, nicht als Ohren, nicht als Geist (pl.). Als Lebenshauche (Sinnesorgane) bezeichnet man sie. Der Lebensodem stellt ja sie alle dar.

(aus: Chandogya-Upanisad)


 

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