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Kalinke, Viktor: Die Kunst : den Ort zu finden

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3-934015-19-0
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Liebesgedichte. Mit Zeichnungen von Britta Schulze

Die schwungvollen Zeichungen von Britta Schulze, dem Zyklus "women in love" entnommen, bringen das Thema - kontrapunktisch - auf den Punkt. Die effektvolle Wucht der Kontraste schafft eine differenzierte Umsetzung von Erotik. Die Texte balancieren zwischen Entrücktheit und irdischer Lust, sie entfalten eine Fülle sinnlicher Gesten und Szenerien und steigern mit ekstatischen Zwischentönen die Intensität des Erotischen, ohne plakativ zu werden.

Viktor Kalinke: geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, lebt in Leipzig.

"In Kalinkes poetischen Diskurs jagt eine unverhoffte Wendung das andere überraschende Bild, stets kommt es anders, als erwartet, sehr erfrischend und eindringlich." Franz Hodjak

Leseprobe:

Auf geheimen Pfaden

 

Auf geheimen Pfaden

durch Brennesselgestrüpp

will ich zu dir kommen

 

Zwischen rostigen Zäunen

verfallener Grenzgarnisonen

treffen wir uns und bleiben

 

An den Ufern kranker Seen

verschlingt uns bedeutungslos

schäumend das Wasser

 

Auf dem Grund / im giftigen Schlamm

gekleidet in Chitinpanzer der Krebse

kriechen wir / schartig die Hände

 

Durch Gärten / in denen die Toten

als Bäume aus der Erde wachsen

werden wir gehen ohne Furcht



Freundin / kühl ist der Wald

und voll von Geräusch / du

erschrickst / schlafend träumst du

dich zurück ins kindliche Vergessen

 

Betäubt hat dich das Dorf

wogende Gräser wiegen dich

dahinter endet die Welt / eingerahmt

von brachliegenden Feldern

 

Spähend wach zu sein / wie ein Tier

dich zu benehmen / hast du’s gelernt?

ich erwarte lauernd dich im Wald

zitternd kommst du nach Hause gerannt



Abendmahl

 

Wie verzehrt man sich?

Mit Pfeffer und Salz?

Am Abend? Am Morgen?

In der Nacht : Eindrücke

wägend vom Tag

Wohin führt der Schlaf?

Ins Flüsterreich einer Sprotte

sie kellnert nachts im Hotel



Wechselwarm

 

Zittern. Wippende Zunge.

Ein Frosch auf Fliegenjagd.

Ungewiß. Wie sie ausgeht.

Ob er fängt. Wonach er hungert.

Ihm gegenüber ein zweiter Frosch.

Glotzäugig. Wechselwarm.

Die Zunge herausgestreckt. 

Eine Spinne zieht ihre Fäden

zwischen den beiden Erstarrten.

Ein flüchtiger Halt. Sie umgarnt

beide. Bis ihre feuchten Körper

Fühlung aufnehmen. Ein Impuls.

Elektrisch. Zuckt durchs

Strickleiternervensystem. Versteinert

sitzen die Frösche. Ein Monument

der Fanglust. Sie können nicht

wegspringen. Der Sommer

hat sich verspätet.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Autor.
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