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Mohnweg, Esther: Zuerst versinkt der Horizont

ISBN:
978-3-86660-129-1
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Berlingedichte und Fotografien

Dieses Buch ist keine Hommage an die Hauptstadt. Die Gedichte Esther Mohnwegs benutzen Berlin als Hintergrundkolorierung im Bild menschlicher Existenz. Schauplatz ist das turbulente Treiben des eigenen Ichs, sind die Höhen und Tiefen im Spiel menschlichen Miteinanders. Die Gedichte erzählen von Sehnsüchten, Abschieden, Erkenntnissen und Illusionen, sie huldigen, klagen an – wehmütig, zuweilen heiter – ein authentisches Erleben, das durch die Fotoserie der Autorin unterstützt wird, und ein tiefer Einblick in das, was den Menschen bewegt, wenn der Horizont nicht mehr zu sehen ist.

Esther Mohnweg: geb. 1964 in München, lebt in Berlin, Studium Linguistik/Philosophie, anschließend Tätigkeiten an Fließbändern und Kaufhauskassen, sowie im Buchhandel.

Berlingedichte von Esther Mohnweg
Ralf Julke,  L-IZ
⇒ www.l-iz.de/Bildung/B%FCcher/2011/12/Zuerst-versinkt-der-Horizont-Esther-Mohnweg-40160.html

Leseprobe:

Gerede

 

den leeren Sessel neben mir

benutzte ich als Blumentopf

und goß eine Kanne Wasser darüber

 

ich streute Samen auf den Samt

so werden Wurzeln im Stoff versinken

das Grün nicht mehr wegzubekommen sein

 

hüten kann ich dann was wächst

nicht gefeit ist dagegen

das Gerede der Stadt

 


Bekanntschaft

 

Beckett sagt er Geburt des Absurden

Endzeitstimmung Reduktion

er glaubt wir verstünden uns das

Flußbett seiner Eloquenz

rauscht von Sekundärem

 

im Nieselregen sage ich

die Arucarie

Beckett sprang vom Fenster da hinein

um zu fliegen

und Mama zu schrecken

 

er bleibt ernst

die Schnittmenge aus ihm und mir

paßt unter meine Fingerkuppe leicht

zu zerquetschen

 


Exilanten

 

auf dieser Insel gestrandet zu sein

gibt keiner gerne zu

man tut groß und im Ganzen

angekommen als Kenner

 

Berlin das Chamäleon paßt

seine Haut nur den eigenen Launen an

ergreift nicht

so hofft man

beim täglichen Fluchtversuch

 


Koma

 

das fing so an wie

nichts beginnt was zu denken

Anlaß gäbe

 

die Wohnung hatte er von einem Freund

für drei Monate auch

der Freund lebte ohne Dinge

 

kleine Rätsel auf Papier

lagen um das Bett verstreut

das genügte mir

 

ich nahm mir heraus was

er unter der Haut besaß

das zog wie Zigarettenrauch wohin

 

für den Moment genügte auch ich

als Päckchen ohne Schleife

nichts war zu feiern niemand

wurde geboren

 


Sehr weit weg

 

ich sehe Kinder die

meine sein könnten

vor dem Fenster im Sand untergehen

und bin froh um meine Fremdheit

 

Statistik sagt die

Hälfte sei allein

in dieser Rummelplatzstadt

 

ich denke an deine Bilder und

daran daß ein blinder Fleck in mir

seitdem unberührbar ist

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