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Bahrom Rozimuhammad: Ich habe mein Selbst vergessen

ISBN:
978-3-86660-158-1
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Gedichte, zweisprachig. Aus dem Usbekischen von Jakob Taube

Subtil und schemenhaft, dunkel und in leuchtenden Farben spiegelt sich die usbekische Welt in den Texten Bahrom Ro’zimuhammads. Entstanden in den Jahren 1989 und 1994, sprechen sie von der Trostlosigkeit des realexistierenden Sozialismus und den Verwerfungen der postsowjetischen Zeit. Trost und Orientierung findet der Dichter in älteren Epochen, in der sufischen Tradition seiner Heimat. Zwischen Gegenwart und Mystik, zwischen Banalität und Spiritualität sucht er seinen Weg. Dieser Band stellt den Dichter erstmals im deutschsprachigen Raum vor.

„Ich denke, daß wir weder Verehrer des Ostens noch Verehrer des Westens sind. Die Phantasie des Gedichts ist verborgen. Vielleicht kann der Mensch in seinen Träumen nicht zur Freiheit gelangen. Wenn man aber empfindet, daß man beim Schreiben oder Lesen eines Gedichts die Erde zum Teufel schicken oder sich eine Jenseitsreise erlauben kann, ist es genug.“ (Bahrom Ro’zimuhammad)

Die hintersinnigen Gedichte eines usbekischen Dichters: Ich habe mein Selbst vergessen
Rezension von Ralf Julike L-IZ
⇒ 
www.l-iz.de/Bildung/Bücher/2013/03/Hintersinnige-Gedichte-eines-usbekischen-Dichters-47084.html


Bahrom Ro’zimuhammad: geb. 1961 in einem Dorf der Provinz Chorezm, Journalismusstudium an der Universität Taschkent, Redakteur für Zeitungen, Zeitschriften und Buchverlage. Gedichtbände: Lautloser Schritt (1987), Stern nah der Pappel (1989), Zwei Lichtstrahlen (1994), Dew Saman (1995), Grenzen des Tages (1999) und Gespräch der Schatten (2006). Übersetzungen von Gedichten von Hans Magnus Enzensberger, Ursula Krechel und Marica Bodro¸i? ins Usbekische.

Jakob Taube: geb. 1961 in Leipzig, studierte in Ost-Berlin, Halle und Taschkent usbekische und persische Sprache und orientalische Archäologie, promovierte 1990 an der Universität Halle-Wittenberg.

Leseprobe:

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DES MENSCHEN ABENTEUER

 

Ich bin eine seltsame frucht

vom Baum der Einsamkeit gerissene frucht

 

Nein ich bin nicht zur erde gefallen

die erde wurde erhoben zu mir

und von meinem zweig gerissen wurde ich ganz leicht

 

Ein grell-gelber affe war

mit der weißen fee im gespräch

die fee mit ihrem finger

wies immerzu zum himmel

kichernd lachte der affe

die fee wieder und wieder

streckte zum himmel den finger

den bauch sich haltend lachte laut der affe

die fee zum dritten male

sprach ernst auf den affen ein

der affe unsicher geworden

schaute zu mir

und in jenem moment

wurde ich jäh vom Baum der Einsamkeit gerissen

der worte zarter wind – zack riss er mich ab

 

Bin eine seltsame frucht

vom Baum der Einsamkeit eine frucht


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AM HEILIGTUM

 

Am heiligtum

gräber grüfte groß und klein

verschiedenen zielen so nahebei

auf aschfarbnem blatt

wie saphir brennend

stehen glänzend ölweiden

 

Euer weißes tuch

gebt dem wehenden hauch

soll er sich mühen das tuch zu entfalten

das haar euch lösen soll er nicht

 

Knackend werden gepflückt

wohltaten des herbstes

Maschrab reicht Euch eine handvoll früchte

 vollkommen unbekümmert um des heiligen grab




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