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Thümler, Walter: Die Verlegenheit des Ornithologen

ISBN:
978-3-86660-155-7
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Poetologische Notizen

Der vorliegende Band versammelt Walter Thümlers über einen Zeitraum von mehreren Jahren entstandene poetologische Notizen. Die Verlegenheit des Ornithologen ist ein Versuch, die poetische Arbeit und die Situation der Dichtung gedanklich zu klären und zu beschreiben. Den Hauptspannungsbogen bildet der Widerstreit sowie das gegenseitige Ergänzen von religiöser und ästhetischer Daseinserfassung. Gefragt wird, wo der existentielle Ort des Dichters und seines Werkes zu finden ist, wie Poesie entsteht. „Es gibt einen Ort in der Ökonomie der Wahrheit, der einzig der Dichtung anvertraut ist“, stellt Thümler fest. Und er fragt: „Warum Dichtung?“ und antwortet: „Weil wir in der Sprache des täglichen kommunikativen Gebrauchs nicht sagen können, was wir sagen müssen: Das Faktische des Tragischen, die Liebe, die coincidentia oppositorum.“ Der Dichter ist ihm jener, dem es geschenkt ist, mit seiner Erfahrung zu leben.

Walter Thümler: geb. 1955 in Oldenburg, lebt seit 2008 in Rogätz an der Elbe, Lyriker, Übersetzer zeitgenössischer russischer und englischsprachiger Poesie, Herausgeber, Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt.

Die Verlegenheit des Ornithologen: Walter Thümler versucht, sein Verhältnis zur Poesie zu erkunden
Ralf Julke, L-IZ
⇒ 
www.l-iz.de/Bildung/B%FCcher/2013/03/Walter-Thuemler-Die-Verlegenheit-des-Ornithologen-47354.html

Schreiben, hinken, springen
von Rolf Birkholz, Am Erker
⇒ 
www.am-erker.de/rez6234.php


Leseprobe:

Warum Dichtung? weil wir in der Sprache des täglichen kommunikativen Gebrauchs nicht sagen können, was wir sagen müssen: Das Faktische des Tragischen, die Liebe, die coincidentia oppositorum.

 

Die Kunst der Ikonostase: die Kunst dessen, der die Erfahrung bezeugt, als „Subjekt in unendlicher Leidenschaft an seiner ewigen Seligkeit interessiert zu sein“. Solchem Kunstwerk eignen Schlichtheit, innige Zurückhaltung, innere Beseeltheit, Größe des Gedankens und der Form bei gleichzeitiger Stille und Kraft. Solch Kunstwerk gelingt nur, wenn Augenblick und Ewigkeit im Künstler gleich stark sind. Oder anders gesagt, wenn der Künstler gleichermaßen um das Ästhetische wie um das Religiöse weiß. Er verrechnet die Kategorien nicht gegeneinander, sondern hält die Spannung offen. Ohne dies würde die Ewigkeit den Augenblick und damit die Kunst erdrücken. Oder andersherum: der Augenblick läßt das Ewige nur als Sujet gelten, kommt nicht in dessen Prägkraft. Das Kunstwerk der Ikonostase ist als unter der Prägkraft des Ewigen dem Augenblick gerechtgewordene Kunst.

 

Die Levinas’sche Frage: „Hat das Denken Sinn nur durch die Erkenntnis der Welt?“ könnte man auf die Poesie ausweiten und fragen: „Sollte Dichtung, oder Kunst überhaupt, denn keinen anderen Sinn haben als die Wiederbringung der Welt?“ Diese Wiederbringung ist ein Erst„sinn“, gewissermaßen der Boden – und ohne diesen  geht nichts –, doch dann, müßte sie nicht diesen Boden wieder preisgeben oder vielmehr dahindurch­dringen zum Eschatos, um eine Ontologie der Natur zu verlassen und zur Menschwerdung vorzustoßen?

 

Sprache kann aufscheinen, ohne ihre Herkunft zu zeigen. Das tut sie als diskursive und servil-kom­muni­kative Sprache. In der Dichtung aber ist es ihre Freude, sich in ihrem Personsein zu zeigen, mit ihrem Fleisch, ihrer Herkunft, ihrem Geheimnis. Trotzdem geht es in der Dichtung nicht primär um Sprache, sondern um Hingabe an das Hören des Wortes, um so der Sprache zu ihrem Gebet zu verhelfen, was das „Wie“ des Sprechens ist. Im Hören und im Gebet der Sprache erschließe ich mein Eigenes, das auch das Allgemeine ist. So wie der Beter als Mensch sein Hier-bin-ich spricht, vollzieht die Sprache dies durch den Mund des Dichters.

 

David und Johannes vom Kreuz, die Väter dessen, was Poesie angesichts der Wahrheit Gottes heißen könnte, gleich­wohl die Psalmen keine Poesie mehr sind, sondern Gebete, Offenbarung.



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