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Hanack, Konstantin & Pannier, Annegret: Halbjahresversuch

ISBN:
978-3-86660-156-7
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Gedichte

Hanack & Pannier waren fasziniert von den Internettagebüchern, in denen mit teils großer psychologischer Feinheit und feinsinniger Poesie Alltagserlebnisse und innere Kämpfe ausgebreitet werden.  Was als unverbindlicher eMail-Kontakt begann, diente bald dem Austausch von Lyrik und entwickelte sich schließlich zum Dialog in Gedichtform. Die Texte standen nun nicht mehr solitär für sich, sondern wurden thematisch aufeinander bezogen und damit eingebettet in einen größeren, dennoch sehr persönlichen Zusammenhang. Das alles geschah zunächst ohne Veröffentlichungsabsicht und führte zu einer Anzahl von Versen, deren Qualität recht unterschiedlich war. Dies war die Grundlage für den Halbjahresversuch. 

"Ich spüre, wie vom vielen Regnen die Pfähle taumeln", schrieb vor fast hundert Jahren der rumänische Dichter George Bacovia. Stellt man sich die Menschen als Häuser vor, die im Meer der Zeit stehen, dann versteht man die Bedeutung der Stützpfeiler. Menschen, die auf schwankenden Pfeilern stehen, können versuchen, sich gegenseitig zu stützen. Zeit und Raum sind den Schwankenden undeutlich geworden, unbewußt korrespondieren Jahreszeiten und Gefühlsphasen. Hanack & Pannier sind im Halbjahresversuch in Dialog getreten, um mit psychologischer Feinheit und feinsinniger Poesie Alltagserlebnisse und innere Kämpfe auszubreiten.

Konstantin Hanack: geb. 1985 in Luckenwalde, Studium der Philosophie, Soziologie und Germanistik in Jena und Potsdam

Annegret Pannier: geb. 1985 in Wolfen, Studium der Archivwissenschaften in Potsdam, seit 2012 freiberufliche Online-Redakteurin, lebt mit ihren beiden Töchtern in Potsdam.


Leseprobe:

Prophetisch

 

Ich stell mir vor, ich sitz am Ende

in einer Klapsmühle und schreibe

den Duden ab, während die Hände

mir zittern wie am Sterbetag.

 

Oder aber es kommt noch schlimmer:

Ich hock als alter Mann in jenem Zimmer,

das ich als junger Mann mir kaufte,

trink Schnaps und rauche, rauche, rauche.

 

Oder aber es kommt richtig schlimm:

Ich sitz als alter Mann in einer Klapsmühle drin,

zittre wie am Sterbetag, rauche, trinke Schnaps

und schreib den Duden ab.

 

Warme Ware


du duldsamer Duden

wir whiskey-wirklichen

Soma-Sonnen

sind sicherlich

warm wartende Ware

dürren Düsterdünkels

Ich, Herr Költke, abends spat

Ich, Herr Költke, abends spat

bin gekommen in die Stadt.

 

Ich, Herr Költke, lernte nicht,

wie man eine Sprache spricht.

 

Fragte nach dem Weg ein Kind,

wusst ich niemals, wo ich bin.

 

Grüßte mich ein Mann von Welt,

hab ich mich hinweggestellt.

 

Lief vorbei ein großer Hund,

fiel ich hechelnd auf den Grund.

 

Strich mir eine Katz das Bein,

fing ich ängstlich an zu schrein.

 

Gab mir eine Frau nen Kuss,

wusst ich niemals, was ich muss.

 

Kam ein Spatz und pfeifte was,

brubbelte ich dies und das.

 

Ich, Herr Költke, abends spat

bin gekommen in die Stadt.

 

Ich, Herr Költke, lernte nicht,

wie man eine Sprache spricht.






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