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Rachnev, Elin: Zimt

ISBN:
978-3-86660-151-2
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Gedichte. Mit Zeichnungen von Koljo Karamfilow. Aus dem Bulgarischen von Henrike Schmidt

"Zimt" ist flammendes Liebespoem und zugleich kritische Reflexion über die Möglichkeit der Kunst. Zwei Frauenfiguren verkörpern die Ambivalenz der Liebe: Dem imaginären "Zimt-Mädchen", das als die Laura eines modernen Petrarca daherkommt, steht die lebensweltliche Gergana entgegen, deren Verblühen in der Banalität des Alltäglichen den Tod der Kunst hervorruft.

Elin Rachnev preßt der im Kitsch erstarrten Liebeslyrik neue Lebenssäfte ab. "Zimt" stellt den Versuch dar, gegen die Unmöglichkeit eines zeitgenössischen Liebespathos anzuschreiben. Und ermöglicht dadurch die Hingabe an den Text: Starker Rhythmus, überbordende Bilder, Metaphern und Verweise auf Musik und Kino steigern im Leser das Tempo der Wahrnehmung - letztlich aber geht es einzig und allein um den Rausch der Liebe. Und seine Enttäuschung.

Im Jahr 2008 in Sofia erschienen und illustriert mit Zeichnungen des Künstlers Koljo Karamfilow, wurde Zimt schnell zum poetischen Kult-Buch

Elin Rachnev: geb. 1968, bulgarischer Literat, Dramaturg und Journalist. Rachnev verfasst insbesondere Lyrik und Theaterstücke, ist aber auch als Szenarist für das bulgarische Fernsehen tätig. Er ist Autor von vier Gedichtbänden („Ich existiere“, „Krokus-Erwachen“, „Oktober“ und „Zimt“) sowie einer Vielzahl von Theaterstücken, darunter „Fans“ und „Marschrutka – Im Taxibus“. Für seine Theaterstücke wurde er mehrfach mit nationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Ein Kult-Liebes-Poem aus Bulgarien: Elin Rachnevs "Zimt"
Ralf Julke, L-IZ
⇒ 
www.l-iz.de/Bildung/Bücher/2012/12/Ein-Kult-Liebes-Poem-aus-Bulgarien-Elin-Rachnevs-Zimt-45535.html

Leseprobe:

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ZIMT


warum hast dich berauschen lassen vom Nektar der Reime und

der nachmittäglichen Träumereien, dass er nach Gaudi richte deine

Schultern, nach Sainte-Chapelle das Unvollendete, dass er lehre deine

Lippen an den Sorbonnen, dein Lächeln aufschlage in den Anthologien,

dass er der Hacker sei deines früheren Lebens, dein Sender MTV

 

wenn dir nach nichts ist, fühlst du dich nicht ein bisschen unnütz der

Depeche Mode einzige Muse zu sein, und dass der Zimt in deinem

Atem Anlass zu Performances sei, dass der CV der Welt auf deiner

Haut liege, deine Dessous sich über die Kunst erheben … über die

Wissenschaft, dass deine Träne the end of the art deklariere, doch

wie geht es dir sag es mir, dass ein Elin sich abseits stellte von

allen Lebenden, Claqueur deiner Wimpern, doch auch des Todes,

besaufend sich mit Sand, Piaf und all den Lieben. Der nicht weiß wo,

nicht wer er ist … Warum hast du den porzellanen Reimen nur geglaubt,

warum ihn darin nicht krepieren, nicht verlöschen, nicht vergehen

lassen. Sag es mir, ich bitte dich, sag es mir …

 

* * *

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* * *

 

Die Kühle deiner Umrisse erinnert mich daran, dass ich lebe, dass        

ich hier war, in deinem Parfüm von Kalendula mich versteckte

und die narkotische Dunkelheit deiner Lippen mit Reimen abwetzte

in der Erinnerung sah ich dich wie du gingst mit gestyltem Schritt

durch den Schwindel der Städte und Brunnen, an den Ufern deines

Atems versteckte ich mich vor Gut und Böse. So hab ich dich in mir

verschwiegen, dass ich mich selbst verschluckte, und um dich weinte

in trüben Morgenröten, um dich starb, um dich mich abstrahierte – um- 

fassender und reinster Tod, den ich kenne – so vollendet notwendig

sicher habe ich es darum der Poesie überlassen, mich zu ziehen, mich

zu kicken. Und werde verrückt nach dir, Emma Bovary, – nach deiner

Tante, Mutter, Oma – hab dich gefickt, Tod, dich gefickt und das Andere

wie du standest auf dem Hügel zwischen den Bäumen aufgestützt auf

die Musen, die Dichter, die Kunst. Ich kann sie nur beneiden jene, die

morgen wieder dich besingen werden und dich in die bleiche Trauer

ihrer Reime sperren. Dass du in ihnen vergehst, krepierst, dass

du siehst wie es ist – du Schamlose.


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ZIMT 2

Ich mache Versuche in Poesie nur im Extremfall. Wenn sich mein Blut

druck unter die Vögel gesellt. Und ich keine elementare Konzeption

meines Lebens habe. Nur dann differenziere ich zwischen den Menschen.

Nur dann differenzieren sie mich. Das ist ein besonderer Zustand. Das

ist, wenn ich mich in die Phoneme des Herbsts zerlege. Wenn ich end

gültig abhängig bin von allen deinen Umrissen. Wenn ich vierhundert

Seiten füllen kann über den Blütenstaub auf deinen Wimpern. Und noch

einmal so viele über ihr Zittern.                                                                       

 

Dieser Zustand lässt sich nur schwer erklären. Ich habe bis heute so viele

unsinnige Versuche gemacht. Platzte mir die Fontanelle vor lauter Versuchen.

Ging ich in die Medizin. Habe ich so viele Jahre nicht mehr gelacht.

Nur kleine Menschen mit großen Spesen lachten mir zu. Sie hatten Spaß.

Sie krümmten sich zusammen vor Spaß. So viel Spaß unter dem Himmel.

Nur wenn ich nicht weiß wie ich leben soll, mache ich Versuche in Poesie.

Nur dann kann ich deine Wimpern in den Uffizien ausstellen. Oder ihr

Zittern den Kennern annoncieren.


Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Autor.
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