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Piek, Peter & Goller, Michael: Die Puppenspieler

ISBN:
978-3-86660-112-3
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art fiction, Teil 2

Das neue Buch der Erfinder des Genres Art-Fiction ist nicht weniger Kult als ihr Debüt Das Malbuch. Durch und durch dialogisch geschrieben, führt es den Leser durch real existierende, mit Öl gemalte Puppenspieler-Bilder der Maler Goller und Piek zu herrlich abgedrehten erzählerischen Passagen, um letzlich in ein chat-inspiriertes Schauspiel zu münden. In diesem Buch kommen nur wenige heil davon, ein gnadenloses Wortgemetzel. Ein Herunterziehen schöner Fassaden. Das Abrechnen mit der Welt führt die Protagonisten, hier kurz Brushstrokepete und Seaofcolormick genannt, zuletzt in unmenschliche Gefangenschaft. Die Welt kann von diesem Buch auf jeden Fall profitieren. Alles was sie vorher tun muss: es lesen.

Peter Piek: geb. 1981 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), seit 2002 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2003 Mitbegründer der Künstlergruppen Querschlag und malfront

Michael Goller: 1974 am 12. Februar in Karl-Marx-Stadt geboren. 1995-2000 Medienstudium Hochschule Mittweida. 2003-2007 Künstlerinitiative Malfront. 2003-2008 Künstlergruppe Querschlag.

Goller und Piek erzählen fast verräterische Geschichten: Die Puppenspieler
Ralf Julke, L-IZ
⇒ 
www.l-iz.de/Bildung/Bücher/2011/12/Goller-und-Piek-erzaehlen-fast-verraeterische-Geschichten-30949.html

Leseprobe:

Heiland-Trilogie

Der Brief

Zum Mülleimer. Plastemüll ist voll. Ich stopfe es mit Gewalt rein. Ich muss mir die Hän­de wa­schen, denke ich. Hmmm. Langsam schreite ich zurück zum Haus. Obwohl nur selten gefüllt, schaue ich beim Vorübergehen im­mer – in den Briefkasten. Dies­mal – es ist etwas drin. Ein Brief, nicht dick. Kein Absender. Ich kenne die Hand­schrift sehr gut. Aber für den Moment kann ich sie nicht zuordnen. Vielleicht möch­te ich das nicht. So denke ich kurz. Die Treppen hoch durch die Glastür. Klares Wasser. Läuft über Hän­de. Schschschsch..., rauscht es.

Ein Messer öffnet den Brief. Den Inhalt entnehmen. Ölgeruch – ein klei­nes Stück Papier um­wickelt ein noch kleineres. Das noch kleinere Stück ist bunt bemalt. Es klebt ein wenig an­ein­ander. Beides Transparentpapier. Vor­­sichtig trenne ich die Blätter. Vergrautes Blau, nach oben hin heller. Ul­­­t­ra­marin. Lebendig aufgetragen. Un­ten teilweise über Magenta und dunk­­­les Rot gemalt. Dicker Pinsel.

Einatmen.

Ausatmen.

Ungewöhnlich – der rabiate Auftrag bei so einem kleinen Format.

Man hätte es so nicht einmal festhalten können.

Einatmen.

Man hat es aber auch nicht versucht. Kein Fingerabdruck. Es ist nicht ge­knickt. Ich drehe es um. Die Ölfarbe ist noch nicht trocken.

In der Weise, wie es gemacht ist, muss es Teil etwas Größerem sein.

Ich schaue genauer als beim ersten Mal in das Kuvert. Ein Schnipsel Papier.

Ausatmen. Einmal gefaltet. „Komm her.“ „Na.“

Ich lese laut:

„Ziel.“

„Ziel der menschlichen Lebewesen ist die Veränderung. Auch stati­sches Ver­har­ren kann als Veränderung empfunden werden. Als Ver­än­de­rung der Ver­än­derung.“

Eine Fliege setzt sich auf meine Hand. „Weg da!“ Ich schüttle sie ab. Ich lese noch einmal. Leise.

„Ziel. – Ziel der menschlichen Lebewesen ist die Veränderung. Auch sta­ti­­sches Verharren kann als Veränderung empfunden werden. Als Ver­ände­rung der Veränderung.“

Noch einmal schaue ich in das Briefkuvert.

Es ist leer.

Mein Kopf wird leer.

Schschschsch.

Klares Wasser. Mit Seife wasche ich die Farbe an meinem Handballen ab. Rubble mit dem Dau­men über die kleine Stelle.

Ich will einen Schluck trinken. Ja. Ich weiß nicht, warum. Mit einem Korkenzieher, Holz­griff, öffne ich langsam eine Flasche Wein. „Flup.“

Ein tolles Geräusch.

Gieße ein kleines Glas voll damit.

Ruhe im Raum.

Ich setze mich.

Die offenen Fenster lassen leichten Wind herein. Angenehm warm.

Die Fliege – diesmal lasse ich sie auf meiner Hand umherlaufen. „Na?“­ „Fliege?“

Ich kippe mir den Glasinhalt in den Mund. Lasse meine Zunge auf den Ge­schmack ein. Troc­ken. Ich schlucke. „Auf uns Fliege!“, rufe ich. Sie fliegt weg.

Plötzlich kommt mir ein Gedanke:

– „Der Puppenspieler.“ –

Ich lache.

Die Geschichte beginnt.

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