[<<Erster] [<zurück] [weiter>] [Letzter>>] 272 Artikel in dieser Kategorie

Pavlovic, Miodrag: Mißhelligkeiten, alte und neue

ISBN:
978-3-86660-107-9
Lieferbar:
sofort lieferbar sofort lieferbar
19,95 EUR
-> in Deutschland kostenfreier Versand

Gedichte. Aus dem Serbischen von Peter Urban

Zweisprachig

Miodrag Pavlovic verknüpft in seinen Gedichten das Apokalyptische mit dem Grundlegenden und Lapidaren. Das Selbstverständliche ist hier zugleich das Utopische. Pavlovics Poesie gründet auf den spirituellen Quellen der serbischen mittelalterlichen Dichtkunst. Das Paradiesische ist zwar stets präsent, aber es wird überzeichnet von Zuständen der Hölle: Es gilt, einen Dichter von europäischem Rang neu zu entdecken. Drei Zyklen, hier in einem Band zusammengefaßt, beherbergen eine Vielfalt lyrischer Formen, Tonlagen und poetischen Sprechens. Ein Thema zieht sich durch das gesamte Werk: das Verhältnis des Menschen zu seiner Geschichte.

Miodrag Pavlovic: 1928 in Novi Sad geboren, studierte in Belgrad Medizin und praktizierte einige Jahre als Arzt, ab 1960 Dramaturg am Belgrader Nationaltheater, danach Lektor und Redakteur des Verlags Prosveta, lebt in Belgrad und Süddeutschland.

Ins Licht gefragt 
von Ulrich M. Schmid, NZZ 
⇒ 
www.nzz.ch/magazin/buchrezensionen/ins_licht_gefragt_1.11047257.html

Novoustanovljena nagrada "Zlatko Krasni" Peteru Urbanu
⇒ 
www.glassrbije.org/info/index.php

"Zlatko Krasni" pripao Urbanu
⇒ 
www.b92.net/kultura/vesti.php

Leseprobe:

ШТА МОЖЕ ДВОЈНИК

По зрацима сунца
спустио се у вечерње сате
или је сишао са скеле
поред прозора где је
насликано Преображење
тражи ме погледом
клима главом кад ме спази
тамо где горе свеће
по тепиху да газим
и почиње да чита
из полупрозирне књиге
са узвишице амвона
позива неког из апсиде
да донесе причест
очекује да зазвоне звона
тај човек мени мио
нек му је част и чест
он почиње да дрхти
цепти све јаче
ја га питам зашто долази
у овај час да ме крепи
он се обазире и каже:
усред невоље нове
која се спустила на твоја плећа
ја дрхтим да теби буде воље
и свима што невидљиви
наоколо стоје –
ово је великомученичко поље


Was ein Doppelgänger kann

Über die Sonnenstrahlen
stieg er herab in den Abendstunden
oder kam er von dem Gerüst
neben dem Fenster wo
aufgemalt ist die Verklärung
er sucht mich mit dem Blick
nickt als er meiner gewahr wird
dort wo die Kerzen brennen
soll ich den Teppich betreten
und er beginnt zu lesen
aus einem halbdurchsichtigen Buch
von der Höhe des Ambons
ruft jemanden aus der Apsis
er möge das Abendmahl bringen
er wartet aufs Glockengeläut
dieser Mensch ist mir lieb
aller Ehren werde er teilhaftig
er beginnt zu zittern
schlottert immer heftiger
ich frage ihn warum er kommt
zu dieser Stunde mich zu stärken
er blickt sich um und sagt:
in dieser neuen Bedrängnis
die auf deinen Schultern lastet
zittere ich damit dir leichter werde
und allen die unsichtbar
ringsumher stehn –
hier ist ein Großmärtyrerfeld


* * *

Нови сам следбеник
Божијег угодника
светог Пантелејмона
силазим на кеј
испред његовог манастира
(сви знају где је Света Гора)
прилази ми полиција
да л имам одобрење
од архимандрита
и нуде ми да се потпишем
мастилом из свечевог дивита
а када падне ноћ
они гледају
како уз помоћ светог Врача
лечим од јектике
и од лепре:
узимам болеснике
и њихове органе
и стављам их у предворје храма
да се ветре



* * *

Ich bin der neue Jünger
des Gottgefälligen
heiligen Panteleimon
ich gehe hinab an den Quai
vor seinem Kloster
(jeder weiß wo der Heilige Berg ist)
zu mir kommt die Polizei
habe ich auch die Genehmigung
des Archimandriten
und lädt mich ein zu unterschreiben
mit Tinte aus des Heiligen Tiegel
als aber die Nacht fällt
schauen sie zu
wie ich mit Hilfe des Heiligen Arztes
Schwindsucht heile
oder Lepra:
ich nehme die Erkrankten
und ihre inneren Organe
und hänge sie in die Vorhalle des Tempels
um sie auszulüften



НА СЕВЕРУ ИНДИЈЕ

На степеницама испред Бенареса
у рану зору гледам покајничко племе
како силази у воду
као на дно јаме
док сунце с оне стране Ганге
излази и плива по облацима потрбушке
као мртваци што плове ка свом спасу
а мене обузима милина
у коси ми се мењају боје
док ми неко из коже из меса
вади заостале демонске зубе
почињем да лебдим од чистоте
на степеницама испред Бенареса

Im Norden Indiens

Auf den Straßen vor Benares
frühmorgens sehe ich den reuigen Stamm
ins Wasser hinunterschreiten
wie auf den Grund einer Gruft
während die Sonne über dem Ganges
aufsteigt und bäuchlings schwimmt auf den Wolken
wie die Toten ihrer Rettung entgegengleiten
und mich umfängt ein Wohlgefühl
es ändern sich die Farben meines Haares
indes mir jemand aus der Haut aus dem Fleisch
die letzten dämonischen Zähne zieht
beginne ich zu schweben vor Reinheit
auf den Stufen vor Benares

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Autor.
Webshop by Gambio.de © 2012