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Williams, C. K.: Von nun an

ISBN:
978-3-86660-098-0
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Gedichte, zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Walter Thümler

Das Amerika des Vietnamkrieges, der Rassenunruhen, des Irak-Krieges und globalen Anspruchsdenkens – Williams blickt genau auf die politische Wirklichkeit und gilt, als wichtige gesellschaftskritische Stimme mehrfach ausgezeichnet, in den Vereinigten Staaten als one of the most distinguished poets of his generation (Paul Muldoon). Der vorliegende Band enthält eine erlesene Übersicht seines Werkes. Eingebettet im dichten Gewebe alltäglicher Beobachtungen zeigt Williams auf offene Wunden menschlichen Leids. Seine Gedichte stellen immer wieder die Frage nach der Menschlichkeit in einer rationalisierten und technischen Welt. Sie sind Brücken und Wege zu Zuversicht und Vertrauen, aber auch offene Anklagen gegen infame Heuchelei und politischen Mißbrauch. Prägend für Williams sehr eindringliche epische Schreibweise sind die an Whitman und Ginsberg erinnernden longlines. Seine Sprache ist wild, verstörend und kraftvoll, voll von sinnlicher Lebendigkeit.

C.K. Williams: geb. 1936 Newmark (New Jersey), Literaturprofessor und Dichter, begann mit Protestgedichten gegen den Vietnamkrieg und gegen soziale Mißstände, gewann in Folge renommierte Literaturpreise: u.a. Ruth Lilly Poetry Prize (2005), National Book Award (2003), Pulitzer Prize for Poetry (2000)

"Kein anderer zeitgenössischer Dichter hat uns eine stärker gewebte oder gespannte Interpretation dessen gegeben, wie es sich anfühlt: Das Unbewußte ins erreichbare Licht der Sprache zu bringen. Williams hat maßlos gekämpft, um das zu demaskieren, was am meisten schmerzhaft und verborgen in unserer Psyche ist." (Edward Hirsch)

"Um es einfach zu sagen: C. K. Williams ist ein wunderbarer Dichter in der authentischen amerikanischen Tradition von Walt Whitman und W. C. Williams, der auf jeder Seite erzählt, was es bedeutet, lebendig zu sein in unserer Zeit." (Stanley Kunitz)

"Williams stellt ethische Fragen an eine dunkle und derbe Welt, die gewöhnlich ist und nur in seltenen Momenten Schonung kennt. In diesem Austausch zwischen Dichter und Welt ist ein Geheimnis, das Williams in seinen langen gewundenen Sätzen zu umkreisen, zu umschlingen, letztlich zu ergründen sucht. Das Gedicht nähert sich dem Gebet, einem merkwürdigen, fürchtenden Gebet, das in all dem Verhängnis, in der Gewalt und Rohheit der Welt auf die Verteilung von Gnade hofft." (Joachim Sartorius)


Leseprobe:

From Now On

For Murray Dessner

this knowledge so innocently it goes this sin
it dies without looking back it ripens
and dissolves and behind it behind
january behind bread and trenches there
are rooms with no gods in them there are breasts
with no deaths anymore and no promises
I knew mercy would leave me and turn
back I knew things in their small nests would
want me and say Come and things blossoming
say Go Downwards but still am I no bigger
than one man? not a pint more? a
watt? a filament of pity or sweetness? I turn
over first one side heads and then tails
I love life first then death first I
close I open I split down like an amoeba
into bricks and sunrise and longing
but we are suffering seven directions at once
the mouths in our mouths don’t tell us
the sorrowful faces in our tears not
touch us nothing holds us nothing reaps
us we are not lived we are not suffered
the dreams come for us but they fail



Von nun an

Für Murray Dessner

dieses wissen so unschuldig geht es diese sünde
es stirbt ohne zurückzuschauen es reift
und zersetzt sich und dahinter hinter
januar hinter dem brot und den gräben gibt
es räume mit keinen göttern darin gibt es brüste
mit keinem tode mehr und keinen versprechen
ich wußte gnade würde mich verlassen und zurück-
kehren ich wußte die dinge in ihren kleinen nestern würden
mich wollen und sagen Komm und dinge die blühen
würden sagen Geh Abwärts dennoch bin ich nicht größer
als ein mensch? nicht ein liter? ein
watt? ein faden erbarmen oder süße? ich drehe
mich um zuerst kopf dann adler
ich liebe leben zuerst dann tod zuerst ich
schließe ich öffne ich spalte mich von oben nach unten wie eine amöbe
in ziegel in sonnenaufgang in sehnsucht
doch wir leiden sieben richtungen auf einmal
die münder in unseren mündern erzählen uns nicht
die traurigen gesichter in unseren tränen berühren
uns nicht nichts hält uns nichts erntet
uns wir werden nicht gelebt wir werden nicht gelitten
die träume kommen für uns doch sie schlagen fehl



Like Little Birds

I’m sick and tired of sharing
everything with everybody I want a number of my own now
like god has with his name just me knowing it nobody
else unless I tell them
it’s why there’s money isn’t it? we get a pile
start counting finish get
another still
wrong like god and the letters he puts death
onto life then life on top then love mixes them up throws them
down
shuffles them picks them up one at a time then handfuls
bleeding

god what
I’ll do now is lie down here and count backwards
and you’ll tell me when
right? but god not
before zero this time it’s dark
here you can’t see
it’s like a coffin things crawl in with you
take nibbles but you don’t feel them
my poor number god I don’t care
for myself but family friends government god
for their sake not here again


Wie kleine Vögel

ich bin krank und müde des teilens
von allem mit allen ich möchte nun eine zahl zu eigen
wie gott es hat mit seinem namen nur ich kenne sie sonst
niemand es sei denn ich erzähle es ihnen
deswegen gibt es geld nicht wahr? wir bekommen einen haufen
beginnen das zählen enden bekommen
einen weiteren immer noch
falsch wie gott und die buchstaben er legt tod
zum leben dann leben obendrauf dann vermischt liebe diese wirft
sie hin
mischt sie hebt sie eins nach dem andern auf dann handvollweise
blutend

gott was
ich jetzt tue ist niederliegen und rückwärtszählen
und du sagst mir wenn ich fertig bin
nicht wahr? doch gott nicht
vor null dieses mal es ist dunkel
hier kann man nichts sehen
es ist wie ein sarg dinge kriechen mit einem hinein
nehmen kleine bissen doch man fühlt sie nicht
meine arme zahl gott meinetwegen macht’s
mir nichts aus doch familie freunde regierung gott
ihnen zuliebe hier nicht noch einmal

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