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Viale Moutinho, José: Die Flöte des Toten

ISBN:
978-3-86660-271-7
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Gedichte

Aus dem Portugiesischen von Ilse Pollack

In diesem Buch sind Tote versammelt, bekannte und weniger be­kannte, die einmal nicht nur lebten, sondern höchst lebendig waren, und die Viale Moutinho vor dem Vergessen gerettet hat. Später ist der fröhliche Umgang mit Gevatter Tod natur­gemäß einer anderen Stimmung gewichen, und auch der Ton ist rauer geworden. Alter und Krankheit haben Einzug gehalten. Die Toten stammen nicht mehr (nur) aus dem Reich der Literatur, sondern immer häufiger aus dem wirk­lichen Leben; immer schneller häufen sich die Abschiede, immer größer werden die Lücken um uns herum. Auch in den Dörfern und Städten spürt der Dichter Verfall und Ende. Ende einer Ära, deren Zeuge er/man war. Ver­schwin­den von Gebäuden und Landschaften. Entfremdung zwi­schen den Generationen. Der verspielte Ton von einst weicht einer Lakonie der Reife, die jetzt den „scharfen Pfiff“ moduliert. Und die in der nüch­ternen Betrachtung allen Vergehens und Vergessen-Wer­dens eine außergewöhnliche lyrische Herausforderung mei­stert.

José Viale Moutinho: geb. 1945 auf der Insel Madeira. Lebt in Porto. 40 Jahre lang Journalist. Dichter. Erzähler. Essayist. Dramaturg. Zahlreiche Preise in Portugal und Spanien sowohl für sein belletristisches als auch für sein journalistisches Werk, u.a. ins Russische, Italienische, Bulgarische, Kastilische, Asturianische, Galizische und Katalanische übersetzt. Unter mehreren Dutzend Veröffentlichungen auch zahlreiche Kinderbücher. Theaterstück: Die Nacht von Ravensbrück.


Ilse Pollack: geb. in Leibnitz, Steiermark. Studium der Romanistik in Wien und Paris. Promotion. Von 1976 bis 1984 Universitätslektorin in Portugal. Arbeitet nach ihrer Rückkehr aus Portugal als Publizistin und Übersetzerin, Lusitanistin aus Leidenschaft. Zuletzt im LLV: Luís Filipe Castro Mendes, Fremde Nähe.



Leseprobe:

Fernando Pessoa no Mosteiro dos Jerónimos

 

O mosteiro dos jerónimos (sabia?)

vai ter este ano um botequim

e o túmulo de fernando pessoa

também as romagens de todos os

necro-pessoanos e afins e de

certo haverá uma bela exposição

dos seus retratos dos seus livros

e de quase todos os seus manuscritos

 

da papelada daquele baú, só fernando

pessoa não foi ouvido (nem

o centro de estudos pessoanos),

mas quem se importa com o poeta

quando os louros servem infelizmente

em toda e qualquer cabeça

e há tantas vontades literárias

como livros de versos ainda inéditos,


Fernando Pessoa im Hieronymuskloster

 

Das hieronymuskloster (wussten sie es?)

wird heuer ein café bekommen

und das grabmal von fernando pessoa

sowie wahlfahrten von sämtlichen

nekro-pessoanern und solchen die es noch werden

gewiss wird es eine schöne ausstellung geben

mit seinen fotos seinen büchern

und mit fast allen seinen manuskripten

 

aus den papieren jener truhe, nur

fernando pessoa wurde nicht gehört

(und auch nicht das centro de estudos pessoanos),

aber wer schert sich schon um den dichter

wenn die lorbeerkränze leider

auf jeden x-beliebigen kopf passen

und es so viele literarische wünsche gibt

wie bücher mit noch unveröffentlichten versen,


Já não tenho sombra

  

Já não tenho sombra, risco, ouvido,

pressa de chegar, o fim que se mova,

despi os dizeres da ganga das calças

coçadas do tempo, esqueço-me da voz

 

e já os lábios modulam o acre assobio,

mastigo o risco, o termómetro metido

debaixo do braço, conhecem-me mesmo

doente, de óculos escuros e silencioso,

 

não serei o último dos ladrões de cisnes,

despeço-me de cada gesto sentimemtal

como se fosse meu, aceno com o lenço

e entro numa outra carruagem, sorrio,


Ich hab keinen Schatten mehr

 

Ich hab’ keinen schatten mehr, kein profil, kein gehör,

keine eile anzukommen, das ende soll sich in bewegung setzen,

die sprüche hab ich entfernt vom stoff der hosen

an denen die zeit genagt, ich vergesse die stimme

 

die lippen modulieren schon den scharfen pfiff,

ich kaue am risiko, das thermometer unter die

achsel gesteckt, man kennt mich sogar

krank, mit dunkler brille und schweigsam,

 

ich werde nicht der letzte räuber von schwänen sein,

ich verabschiede mich von jeder sentimentalen geste

als ob sie meine wäre, winke mit dem taschentuch

und steige in einen anderen waggon, lächle,


Morte na urgência

 

E quando a máquina pára,

o paciente, sorrindo, condescende

em viajar no tempo,

não fazendo nada por isso,

 

não solta uma palavra,

possivelmente lhe escutarão

um suspiro como quem deixa

de respirar, os demais

 

ficam perplexos e dizem

que se apagou como

um passarinho sem nome,

 

doente, paciente e deitado,


Tod in der Notfallaufnahme

 

Und wenn die maschine stillsteht,

lächelt der patient, zufrieden

eine zeitreise anzutreten

ohne sein zutun,

 

kein wort kommt über seine lippen,

möglich dass man ihn noch einmal

seufzen hört wie jemand der

zu atmen aufhört, die anderen

 

sind perplex und sagen

dass er verlosch wie

ein namenloses vögelchen,

 

krank, geduldig, hingestreckt,

 






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