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Tripkovic, Dragana: Verse aus Sand

ISBN:
978-3-86660-254-0
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Gedichte, zweisprachig

Aus dem Montenegrinischen von Cornelia Marks
(Originaltitel: „Stihovi od pijeska“, 2014)

„Dieser Band trägt die Bitterkeit, mit deren Entscheidung Dragana Tripković lebt und arbeitet. »Der richtige Job ist nur / die Freiheit«, sagt sie. Und hält Ausschau nach ihrem »eigenen Triumph ohne Kampf«, um nicht am kleinmütigen Prozess der Vergebung teilzuhaben. Und der Toleranz, die im Lichte des homosexuellen Lebens und seiner Verzweif­lung steht… Sie führt ein Gedicht zur Prägnanz in wirksamer Vol­len­dung, die alle grandiosen Spuren des Fortdauerns offenbaren. Es gibt kein Ge­dicht, das ein Dilemma hinterlässt; jedes findet eine Insel, wie der letzte Stachel des Toreadors in den Körper eines zerbissenen Tieres. Diese Verse knüpfen an Pollocks Welt des Delirs an, in einer Symbiose von Chaos und Kuriosität. VERSE AUS SAND: die monolithische Reali­tät, losgelöst von der Zeit.“ Mladen Lompar


Dragana Tripković schreibt Lyrik, Dramen und Kurzgeschichten. Sie hat bis jetzt vier Gedichtbände in Montenegro veröffentlicht, zuletzt „Verse aus Sand“ (Originaltitel: „Stihovi od pijeska“, 2014). Dragana Tripković wurde in ihrer Heimat bereits mehrfach mit literarischen Auszeichnungen geehrt. Ihre Gedichte sind ins Englische, Deutsche, Russische, Polnische, Italienische, Lettische und Albanische übersetzt und in zahlreichen zeitgenössischen Anthologien Montenegros und Europas vertreten.

Dragana Tripković wurde 1984 in Cetinje, Montenegro geboren und studierte Dramaturgie an der Fakultät für künstlerische Dramaturgie in Cetinje, ihrem Geburtsort. Sie ist Mitbegründerin und Leiterin der alternativen Theatergruppe ATAK und war früher auch als Dramaturgin am Volkstheater Montenegros tätig.



Leseprobe:

 

HUREN UND KÜNSTLER

 

In amerikanischen Filmen

sind die Dirnen schön.

 

Wir haben keine Filme

und vielleicht darum, aber

nur darum,

sind die unseren aufgedunsen

von Drogen,

üblen und ekelhaften,

und sie duften nach einem Verhältnis

wie nach einer Pflicht.

 

Fast jede von ihnen

liebt ein männliches Schwein,

das sie niemals bekommen,

doch das trennt sie nicht von den übrigen

Frauen.

 

Künstler in amerikanischen Filmen

sind immer schmutzig und elend.

 

Wir haben kein Geld,

nicht einmal eine Sprache,

und vielleicht darum, aber

sicher darum,

leben die unseren in großen

Häusern, sauberen Hemden und

mit akkuraten Frisuren, Ehefrau

und Kindern.

 

Im Großen und Ganzen trinkt jeder von ihnen

nur bei Feierlichkeiten 

und stimmt für die Macht.

 



Universelles Frauenbild

 

Mein Vater mag keine Musik mehr

und er hörte niemals

Tschaikowski.

 

In ihren Gedichten

trabten einmütig die Angst

und die politische Korrektheit.

Und dann veralberten Hippies die Sache.

 

Die Vögel am Himmel sind nicht frei

nur das übliche Bild.

Ein Schwarm schwarzer Killervögel

ist ein beliebtes Klischee.

 

Meinem Vater steht echt der Sinn nach

Hitchcock, während das Zellhorn an

John Wayne erinnert.

 

Und er reitet durch die Prärie, all seine Männlichkeit

strahlen Hut und Revolver aus. 

Das erinnert sie

ans Jahr 45.

 

Freunde Mitglieder der KP

und Freundinnen, Zirkusartistinnen

am Trapez, sind ein wahres Vergnügen für

verlassene Kinder.

 

Sie erhielten anstelle von Karten

das universelle Bild einer Frau:

der Mutter der Verlassenen.

 

Und mein Vater verließ seine Kinder.

 

 

INSEL

 

Wichtig ist es so zu heißen

wie du.

 

Dann kann dein Blick

die Blicke der Passagiere auf dem Schiff kreuzen,

während sie vorübergleiten

an deiner Insel.

Dieser Blick ist verwandt nur

durch seine Apathie.

 

Inseln sind eine Frage der Wahl.

 

Der Morgen ist durchwoben von den Regeln

des Verschwindens. All diese Morgen und Regeln

dienen allein dazu dass du

die Langeweile totschlägst…

 

Nichts liefert so ernsthafte

Schlüsse,

wie wenn du dich vor dem Tor der Angst befindest.

 

Wichtig ist es

auf einer Insel zu sein.

 

Von dort sieht man besser,

sagt Prospero.

Die Melancholie erwartet dich sicher,

und wenn sie auch von einer Palme fiel.

 

Schnurgerade in deine Angst,

schnurgerade in deine Schlussfolgerung.

 

Wichtig ist es jetzt

sich selbst zu bejahen.

 

Weder jenes Früher zu bejahen,

noch jenes Im Voraus.

Alles andere sind Namen,

Inseln, Namen,

Inseln,

Inseln.

 


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