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Kalinke, Viktor: El Gancho bravo

ISBN:
3-934015-16-6
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Tango-Etüden - Gedichte. Mit Zeichnungen von Caroline Thiele

Der Tango kann als die Kunst der Begegnung bezeichnet werden. "Gancho" bezieht sich nicht, wie einige vielleicht vermuten, auf den Haken, den so manche Beziehung in sich birgt, auf den Haken, einen markanten Schritt des Tango, der zum einen Bestimmtheit, zum anderen Offenheit ausdrückt, einen Augenblick, ein freches und zugleich flüchtiges gegenseitiges Durchdringen. Eine spielerisch temperamentvolle Sammlung lyrischer Texte zum Tango wurde von Viktor Kalinke vorgelegt, ergänzt um humorvoll-sensible die Zeichnungen von Caroline Thiele - ein Muß für den Tango-Enthusiasten.

Viktor Kalinke: geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, lebt in Leipzig.

„Es sind kurze Beschreibungen von Stimmungen, Empfindungen, mehr oder weniger alltäglichen Begebenheiten, Episoden beim Tangotanzen ... Etliche Texte sind Frauen gewidmet: Rahel, Ella, Susann, Katja (2 verschiedenen), Kerstin, Marion usw. (oh, la la ...). Das ganze ist nicht schlecht gemacht. Man kann sich die geschilderten Situationen durchaus vorstellen und nachempfinden.“ Eckart Haerter

"Die Orte alle zu beschreiben, von denen die Texte und die  Reden des Weltbürgers Kalinke berichteten, wäre müßig. Es drehte sich immer wieder alles um die Wirbelsäule, in die man die Hände wie in eine Tastatur eingraben kann, wenn man diesen einen Tanz tanzt. Es war ganz sicher für die Zuhörer: Der Tango war der Ort, an dem sich Viktor Kalinke am leidenschaftlichsten bewegte." Jutta Pillat

 "Tango! Tango" als Poesiefilm:

youtu.be/0coS9ZVjjMM


Leseprobe:

Tango! Tango!

für Rahel

 

Der schmale Raum zwischen Menschen

was füllt ihn aus : Geräusch : das wir

Sprache nennen : verschluckt vom Hupen

des Bandoneon : übertönt vom Knarren

des Kontrabaß’ : es schwirrt

vom Tanzen und Tuscheln im Saal

 

Was hat man sich zu sagen

ein grobes Wort : begleitet

von krummer Geste : gemeinsam

vermögen sie trotz ihrer Vagheit

Zartes im Andern zu wecken

was keiner Erklärung bedarf

 

Der Schwung eines Kleides : der Bogen

in dem eine Haarsträhne fällt

mag kommen : wer will : seinen Bauch

blicksperrig in die Quere zu schieben

man tanzt und glaubt sich zu kennen

das Kantige der Bewegung verrät’s

Jemand lacht hinterm Rücken

schrill oder tief : unberechenbar

immer beobachtet jemand das Ungeschick

auf dem Parkett : sagt : was niemand

sagen mag : sich steigernd im Spott

den mancher prompt auf sich bezieht

 

 

Ich war nicht ich / ich war

ein Schatten / der Schatten

eines Schauspielers / der nichts weiß

von den Masken / schüchtern

und weich spielte ich

den unschuldigen Knaben

welche Blicke warfen die Mädchen

die noch schmachteten

an ihrer Mutter Brust

lautmächtig / übertönend

die Musik / brüllte ich ihnen

Witze ins Ohr / klärte sie auf

über den Ursprung des Tangos

von Begegnung zu Begegnung

trieb ich / von Tanzsaal

zu Tanzsaal / wo es eine Lust ist

sich zu verstellen / wo selbst

das Lachen irgendwie dröhnt

ich wußte nichts vom Ende

der Vorstellung / vom fallenden

Vorhang / vom Wieder-bei-sich-sein

 

 

Nacht nach dem Tango

 

Wir sprachen / fütternd ein Miteinander

von gestern / vergaßen und galoppierten

über die Hügel / die Möglichkeit

zu sterben / war kein fahler Gedanke

 

Wir starben / den Blick hinabstürzend

von oben auf dich / von oben auf mich

bei einer Drehung vornüber nach hinten

wie auch immer / nichts hielt uns ab

 

Kühle Finger drückten sich

auf meine Lippen / um den Tod

zu verzögern / wir starben

 

Deinen Mund / nach kalter Zigarette

schmeckend / wie könnte ich

ihn vergessen / den Salzgeruch

ich nahm ihn mit von deiner Haut

 

Am nächsten Morgen / körperlos

neben dir / dürstete ich

nach deiner Abwesenheit

wie nach einfachem Schlaf

 

Tag nach dem Tango

 

Über den Häusern flüstert der Regen

mit deiner Zunge / keiner lauscht

ihm Bedeutung ab / stumm dringt er

in Gräser und Komposthaufen

so kannst du schweigend davon

gehn / zur Arbeit / dich

ins Innere zurückziehn

so kannst du schweigen über

den Blasebalg zwischen Himmel

und Erde / die sprachferne

Leere zwischen dir und mir 

so kannst du sehen / wie ich

im Aussichtslosen mich verstricke

kannst wie ein Kind mit Köchern

dem Insekt hinterher jagen

du fängst mich / stichst mir

die glühende Gewissensnadel

in den Rücken / meine Gedanken

hämmern nicht laut genug gegen

den Schädel... ein ergötzliches Bild

eingerahmt bin ich / neben andern

Objekten deiner Sammelleidenschaft

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Autor.
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