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Winkler, Katja: Die besten Jahre

ISBN:
978-3-86660-186-4
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Gedichte. Festeinband
 
Erst als die DDR sich auflöste und die Mauer fiel, begann ich Gedichte zu schreiben. Ich war verliebt, und es war mir, als hebe sich ein Betondeckel von meiner Seele. Da war ich Ende Zwanzig. Seitdem verzeichnen die Gedichte wie in einem Logbuch die Ereignisse meines Lebens, sie stellen nicht mehr und nicht weniger als meine „education sentimentale“ dar, nunmehr über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren.
 

Im Vordergrund steht immer ein Erlebnis, die Erschütterungen, die es auslöst, der Mischmasch von Gefühlen und Gedanken bringt Worte hervor, die sich zusammenfinden, ich mache mir einen Reim darauf, was geschehen ist, aus dem Hintergrund kommt Verdrängtes an die Oberfläche und verbindet sich mit dem Aktuellen, das Schweigen wird porös. Klang und Reim beschwören das Unwiederbringliche des Geschehens, Zeilenbruch und Rythmus geben die tektonischen Verschiebungen wieder, die dem Ereignis folgten.
 

Die Abfolge der Gedichte entspricht dem Ablauf der Jahre und gibt Einblick in meine Biografie. Die Auswahl zieht die Summe meiner „besten Jahre“. Die Ironie des Titels ist allem Schweren geschuldet, den Erfahrungen mit der Krebs-Erkrankung und ihren Folgen, der Kinderlosigkeit, der Begegnung mit dem Tod in noch jungen Jahren. Aber das Leid ist aufgehoben in der Liebe zum Leben, der Freude am Sex, in der Begegnung mit der sich immer wieder erneuernden Natur. In der Wiederkehr der Themen werden Kontinuitäten in der Auseinandersetzung sichtbar, aber auch der Wandel. Die Lebensmitte ist überschritten, am Horizont taucht unübersehbar das Ende auf. Von all dem sprechen die hier versammelten Gedichte.
Charakteristisch ist ihr erzählerisches Moment, der Reim  aber, meist als Binnenreim, sorgt für den nötigen Schwung und ist das Elexier der Gedichte. Einzelne Texte arbeiten mit anderen Mitteln, denen des Raps und der experimentellen Lyrik. Was sie eint, ist aber das Existentielle ihres Ursprungs.

Katja Winkler: 1960 geboren in Berlin, Germanistik-Studium in Leipzig, Arbeit als Dramaturgin und Mitarbeiterin in Literatur- und Theaterprojekten. Seit 2004 Sprachlehrerin in Integrationskursen. Zahlreiche Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.  Textfassungen für das off-Theater. Mehrmalige Förderung durch die Stiftung Kulturfonds und  den Berliner Senat.    

Leseprobe:

Sonntagmorgen halb neun

Ich saß auf dem

Krähenbaum die Möwen

stürzten vorbei ich bin frei

frei ihr Geschrei

ich saß auf dem Krähenbaum

ohne Flügel ohne

Ei vogelfrei


Brandenburger Tor

Ich erinnere mich

noch wie ich da stand

den Blick unverwandt

auf den Engel gerichtet

starr und blicklos golden

der Schein es sollte am

Ende der Welt so sein

Einmal im Monat mindestens

dort vor der Mauer am selben

Ort wenn das nicht übertrieben

wär hätte ich keine Erinnerung

mehr an die Leute die mit mir

dort standen und den Platz

so bedeutsam fanden wie ich

ihn liebte um der Leere willen

die dort war und ganz im

Stillen habe ich sie alle

verachtet die dort standen

an meinem Ort und dann gingen

weg und fort ich blieb sitzen

ließ mich gehen konnte ja

den Engel sehen und dahinter

einen Himmel wie ihn nur der

Abend kennt keine Sehnsucht

Leere brennt dir beide Augen

aus bis ans Ende war zu Haus


EIGENTLICH am liebsten wortlos

so vor mich hin aber mit dir

ist es va banque ich komme und

du bist schon da von so weit her

nach nirgends hin ich bin

im Glück Hans nur ein Wort das

Spiel ist aus ein Satz ich setze

zwei Hasard (nicht alles)

und ich bin Hans nur im Glück

verspielt mein Einsatz

auf ein Wort nichts du

bist Hans und noch kein Wort

verloren ich und du und

eigentlich am liebsten wortlos

so vor mich hin aber mit dir  

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