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Kawasser, Udo: das moll in den mollusken

ISBN:
978-3-86660-230-4
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Gedichte, 140 S.

wird zur Leipziger Buchmesse im März 2018 erscheinen - jetzt vorbestellen - damit fördern Sie das Erscheinen dieses Buches

Der Gedichtband versammelt Texte aus den letzten 15 Jahren und zieht eine Summe aus der poetischen Auseinandersetzung mit der Natur, die ein wesentliches Thema und Movens des Schreibens von Udo Kawasser darstellt. Die in ihm zusammengefassten Texte können daher auch nicht leicht auf einen Nenner gebracht werden, da sie sich durch unterschiedliche Schreibweisen auszeichnen. Was sie vielleicht alle kennzeichnet und womit sich Kawasser von anderen Dichtern abhebt, ist eine Schreibposition der Immersion, des Eingetauchtseins, in der die Natur nicht als getrenntes Gegenüber, sondern als etwas Umgebendes und im Menschen selbst Wirkendes wahrgenommen wird. Das schließt aber nicht aus, dass die sprachliche Arbeit sehr reflektiert mit avanciertesten sprachlichen Mitteln erfolgt, was hier kurz an drei ausgewählten Zyklen gezeigt werden soll: 

  • Der titelgebende Zyklus das moll in den mollusken stellt einen innovativen Versuch dar, fünf höchst kondensierte Gedichte jeweils mit einer extended version zu konfrontieren, die der Autor Echofassung nennt. Dabei falten sich die Kurzfassungen zu umfänglicheren Textlandschaften auf, in denen die räumliche Anordnung zur Bedeutungsträgerin wird. Die beiden Gedichte treten auf diese Weise in eine kreative Spannung miteinander.
  • Die paliano takes entstanden während mehrerer Aufenthalte des Autors in Paliano bei Rom. Sie bestehen aus Momentaufnahmen der Landschaft zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. Auf diese Weise sind zehn Aufnahmen entstanden, die cinematographisch mit takes betitelt wurden und dem äußerst variablen Wechselspiel zwischen Mensch und Landschaft nachspüren. 
  • vom augenrand wiederum ist ein Zyklus, der von der Wahrnehmung im Allgemeinen und von der Wahrnehmung von Wasser im Besonderen handelt, wobei sich in den Gedichten immer ein involvierter, oft im Wasser eingetauchter Beobachter artikuliert, der sein Eingebettetsein in den Naturzusammenhang nicht leugnet sondern mitreflektiert. Der zehnteilige Zyklus entstand sowohl in Wien an der Donau als auch in Vorarlberg am Bodensee und an der Bregenzer Ache, womit eine wichtige geo/biographische Klammer im Leben des Autors benannt ist. 

Udo Kawasser: geb. 1965, aufgewachsen in Lauterach beim Bodensee. Studium der deutschen, französischen und spanischen Philologie in Innsbruck und Wien. Zeitgenössischer Tänzer, Choreograph, Dichter und Übersetzer spanischsprachiger Literatur. Staatsstipendium für Literatur 2006/7. 2.Platz beim Prosapreis Brixen/Hall 2007. Vorarlberger Literaturpreis 2001. Lebt hauptsächlich in Wien.

Leseprobe:

das moll in den mollusken

 

I.

 

heute sind wir

auf dem wendekreis

zwischen die farne

geraten

 

was wenn wir

uns täuschen ließen

auf dem wasserspiegel

uns den raum unterschlagen

 

muss mich erst wieder erinnern

an das licht

beim sprechen

zwischen uns

 

 

 

 

I. (echofassung)

 

heute sind wir

                           warm wie havanna

                                       dachte ich und stehen senkrecht

auf dem wendekreis

            wir reichen uns die hüften

                                           doch dann gleitet ein hecht

zwischen die farne

                                        und ich ringe

mit der plötzlichen sicht

                                                   bis auf die gründe

                          vom ufer aus

               an das ich

geraten

                 bin ohne dich

 

was wenn wir

                           uns daran gewöhnt hätten

                                     uns zu verfehlen

uns täuschen ließen

                   von den flackernden filmstills

auf dem wasserspiegel

uns den raum unterschlagen

                              unter den konzentrischen kreisen

 

muss mich erst wieder erinnern

                                          was zwischen den wellen liegt

an das licht

                       an die winkel

                                         in denen es einfällt

beim sprechen

                          die grade

                                    in denen ich zu dir stehe

                                                                        zu mir

natürlich haben wir auf nachfrage

                                                    für alles gründe

               wie verrückt

                      an manchen tagen die verfärbungen

                        am unteren rand unserer sätze

wir erkennen das rebenrot erst

                             wenn die worte ausgesprochen

            zwischen uns

                                    liegen

 

 

 

 

II.

 

an den ufern

klar werden

eintauchen

kopfüber

 

an den dunklen schimmer

rühren

mit den umarmungen

unter wasser

 

wir ziehen kreise

in den lotrechten eigensinn

und verschwimmen

zwischen den pappeln

 

 

 

II. (echofassung)

 

                                                 unsere verlegenheit

            an den ufern

            klar werden

                                    die feuchten stellen mehr an uns

wenn wir ins wasser

            eintauchen und uns bespritzen

                           würden nur zu gern

            kopfüber

                            in den anderen oder sollten wir weiden

                                    uns besser übereinander beugen

doch wer ist dann wem ein spiegel

                                         und schwimmt in wessen bild

 

                                mustere deine apfelhälften

                                                          halte mich

            an den dunklen schimmer

                                  den ich von deiner haut habe

als könntest du mich damit

            rühren

                                                     aber wir rechnen nicht

                      mit den umarmungen

            unter wasser

                        aufgegrätscht reichen wir viel weiter

wie von bibern gefällte baumstämme

                                                       in der flut

                                 die bissspuren klagst du

       und stößt beim brustschwimmen

                       mit dem schienbein gegen die astgabel

                                     

            wir ziehen kreise

                                        flackern sobald die hand eintaucht

            in den lotrechten eigensinn

            und verschwimmen

 

ohne dich

                wäre ich nie in dieses wasser gestiegen

                            sähe ich es nicht silbern

            zwischen den pappeln flirren

                                  

 

 

 

Dieser Artikel wird voraussichtlich ab dem Donnerstag, 15. März 2018 lieferbar sein.
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