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Viktor Kalinke

geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, Promotion, Professur, lebt in Leipzig.

Veröffentlichungen im Leipziger Literaturverlag

Neu erschienen:

„Von allen bedeutenden Werken des alten China nährt das Buch Zhuangzi den Geist auf die faszinierendste, poetischste und vielfältigste Weise.“ Liu Xiaogan

Im deutschen Sprachraum existiert bis heute keine vollständige Übersetzung des Zhuangzi aus dem Chinesischen. Die Rezeption hierzulande wurde von der Ausgabe aus dem Jahr 1912 von Richard Wilhelm dominiert, der den Text um ein Drittel gekürzt und an vielen Stellen verfälscht hat. Das daoistische Denken, das auch im Westen in den letzten Jahrzehnten eine Belebung erfahren hat, stützte sich im deutschsprachigen Raum bislang auf eine völlig unzureichende Textgrundlage.

Diese Lücke wird durch die hier vorgelegte, zweisprachige Ausgabe geschlossen. Im Ergebnis eines siebenjährigen Editionsprojektes ist eine zweisprachige, hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit überprüfbare Referenzausgabe entstanden, die dem deutschsprachigen Publikum Anschluß an die lebhafte internationale Diskussion zum Daoismus verschafft und als Textgrundlage für weitere Reflexionen dienen kann.

Prosa

Asche. Die Antworten des Tronje Wagenbrant. Roman, Buchlabor Dresden 1996 und LLV 2001

Freiheit macht Arbeit. Literarische Porträts zum Rechtsradikalismus in Ostdeutschland, mit Fotografien von Bertram Kober, 2001

Empörte Flut. Mit Tuschezeichnungen von Christiane Werner, 2009

Lyrik

Indianer im karierten Hemd. Gedichte, Mit Zeichnungen von Marion Quitz, 1999

El Gancho Bravo. Tango-Etüden. Mit Illustrationen von Caroline Thiele, 2000

liberi terrestris. Gedichte. Mit Fotographien von Katja Langer, 2000

Die Kunst: den Ort zu finden, Liebesgedichte. Mit Zeichnungen von Britta Schulze, 2001

Herbst auf Sumatra. Poetischer Dialog mit Miloš Crnjanski. Mit Holzschnitten von Inka Grebner, 2003

Wie ich Amerika entdeckte, Gedichte und Kurzprosa. Mit Zeichnungen von Marion Quitz, 2004

Welcher König hat hier gehaust. Liebesgedichte. Mit Handzeichnungen von Hubertus Giebe, 2012

Studien zu Laozi, Daodejing

Laozi, Daodejing, LLV 2011 - Taschenbuchausgabe (ohne den chinesischen Text)

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 1: Eine Wiedergabe seines Deutungsspektrums, zweisprachig, 2000, enthält den chinesischen Text und ein Zeichenlexikon

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 2: Eine Erkundung seines Deutungsspektrums, 2000, Anmerkungen zur Übersetzung und philosophische Kommentare

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 3: Nichtstun als Handlungsmaxime, 2011, Essay und Einführung

Essay

Gottes Fleisch. Erster Essay: Die Erfindung der Reinheit, 2005

Gottes Fleisch. Zweiter Essay: Die Verkettung von Ehe- und Sexualstrafrecht, 2007

Poietische Kunst, in: „Orpheus versammelt die Geister. Stimmen aus der Mitte Europas“, Sonderpublikation von Ostragehege, Dresden 2006

Meine Poetik, in: Hermetisch offen, hg. von Ron Winkler, Buchverlag Berlin 2008

Film

DichterSehen, Dok, eratafilm 2007

Glockenläuten und Hupen. Spiritualität auf der Straße, Dok, eratafilm 2011

Rezensionen

Welcher König hat hier gehaust: Gedichte von Viktor Kalinke, gewürzt mit Frauenakten von Hubertus Giebe
Ralf Julke, L-IZ vom 29. 2. 2012

Glockenläuten & Hupen: Ein Poesiefilm über den indischen Norden
Ralf Julke, L-IZ vom 22.01.2012

Nichtstun als Handlungsmaxime: Viktor Kalinke und die Faszination des Daodejing
Ralf Julke, L-IZ vom 05.07.2011

Liebe in Zeiten der Weltuntergänge: Empörte Flut
Ralf Julke, L-IZ vom 13.12.2009

Der schiefe Blick des unbekannten Fotografen
Ralf Julke, 18.10.2009, L-IZ

Stimmen zu "Asche"

"’asche’ habe ich im übrigen mit vergnügen gelesen - die intensität der traum-wachzustände!” jayne-ann igel

"Text. Erzählung nicht und kein Roman. Die Geschichte eines Erinnerns vielleicht, die um so schwerer wiegt, weil sie Fragen bereithält - Fragen, die den, der wirklich nach Antworten sucht, ein Grübeln bescheren können... Wir erkennen das Taumeln des Einzelnen inmitten der uniformierten Massenbewegung, und die Geschichte hat plötzlich ein Gesicht." Holger Oertel

"Der Autor schildert in seinem Roman, einer Montage aus fiktiven Tonbandprotokollen, den Weg eines jungen Mannes, der im Versuch, den Armeealltag zu durchbrechen, wahnsinnig wird. Der Held landet in der Psychiatrie, der Bericht wird zur Groteske." Volker Sielaff

Stimmen zur Lyrik

"Die Gedichte von Viktor Kalinke sind direkt, einige sind Liebesgedichte und Beschwörungen des Liebesaktes, andere imaginieren Trennungskonstellationen und durchwachte Nächte. Wieder andere bezeugen, daß Kalinke Psychologe ist - das Gedicht "Fremdheit : Familie" könnte auch "Suchbild : Vater" heißen:

nie hat mein Vater um seinen Vater
getrauert : fröhlich erschien dem Kind
die Besatzung in Polen : was für ein guter
Job (sagt man heute) : gefolgt

vom schnellen Tod auf der Krim : fünf
war mein Vater : als sein Vater starb
vermißt gemeldet (sagt er) : drüberweg
gehen & weiter : war die Maxime ...

Manche Gedichte Viktor Kalinkes fügen weitergehende Erfahrungsbereiche und Weltnahme hinzu, einige sind Reisegedichte eines Rastlosen, einige - un diese gehören zu den stärksten - bilden den Zeitgeist ab oder führend diesen ad absurdum ("Leipzig : Spinnerei"). Wieder andere erzählen kleine Geschichten ("der teppich" oder "plötzliche Wendung"). Einige Gedichte enthalten traumhaft surreale Bilder, "sarmatische Jahreszeiten":

... Kinderspiel
ist die Liebe : den leicht entschlüpfenden Fisch
fest auf den Rücken gebunden

Andere bezeugen Humor und eine leichte Feder." Axel Helbig, Dresdner Neueste Nachrichten, 10.5.2012

"Mir gefällt der einfache, deutliche Ton, das Überlegte, das nie in Überlegenheit verfällt, sich aber seine Souveränität zusprechen darf. Vor allem die Auseinandersetzung mit wechselseitigen Blicken, auch mit der Photographie, liegt mir sehr." Christophe Fricker

"Originelle Stoffe. Mir gefällt der ungestockte Atem der Sprache des Autors. Man merkt auch, daß er sich im fortwährenden Schreibfluß bewegt." Grit Dias de Arce

"So stellt man fest, daß bei der jüngsten Generation das größte Maß an Epigonalität anzutreffen ist, denn hier tönt der Grünbein-Stil und guckt die Kling-Worttechnik fast hinter jedem Vers hervor. Positiv hebt sich davon aber das flotte und witzige Frankfurt-Porträt von Viktor Kalinke ab." Jürgen Egyptien, literaturkritik.de

"In Kalinkes poetischen Diskurs jagt eine unverhoffte Wendung das andere überraschende Bild, stets kommt es anders, als erwartet, sehr erfrischend und eindringlich." Franz Hodjak

"Erstaunlich, wie tief Kalinke in die Geschichte Mexikos eingetaucht ist und diese in eine poetische Sprache verwandelt hat, wortstark, metaphorisch, manchmal auch bewußt lapidar, um die Sache etwas aufzulockern ... Ich lese gerade das Buch zum zweiten Mal, weil ich weiß, daß mir bestimmt viel durch die Lappen gegangen ist beim ersten Lesen. Jetzt lese ich alles um so intensiver und denke natürlich auch dabei: Wie mag es bei Nerudas Gesang gewesen sein? Finnländischer Bahnhof, Karibik haben mich besonders beeindruckt. Die vierfache Heimkehr des Christoph C. habe ich wieder aufgeschlagen und wußte manche Sachen gar nicht, obgleich ich dachte, alles über C. zu wissen. So kann Lyrik auch sein - ohne erst einen Historienschinken zu bemühen... Da weiß ich Bescheid über das Credo des V. Kalinke: Unaufdringlich - und doch sozial engagiert." Reinhard Bernhof

"Имена некоторых немецких поэтов для русского читателя совсем неизвестны. К примеру это – Виктор Калинке. Он не только поэт, но и прозаик, и переводчик с русского и литовского. Его поэтическая манера экспрессивна, лексика сложна и остроумна и осмысляет в неожиданных ракурсах экзистенциальные вопросы бытия, не умаляя человека, а как бы возвышая его над миром обыденности."

(„Einige der deutschen Dichter sind dem russischen Leser noch unbekannt. Zum Beispiel Viktor Kalinke. Er schreibt nicht nur Gedichte, sondern auch Prosa und hat aus dem Russischen und Litauischen übersetzt. Seine expressive Poetik kennzeichnet eine komplizierte, feinsinnige Lexik, deren ungewöhnliche Verkürzungen um die existenziellen Fragen des Seins kreisen, ohne jedoch den Menschen zu vergessen, der gleichsam über das Alltägliche gesetzt wird.“) Tatjana Graus, in: Topos, Zeitschrift für Philosophie und Literatur, Moskau, 07 / 2005
www.topos.ru/article/3785

Stimmen zur Daodejing-Edition

"Es ist eine große Arbeit, die Sie geleistet haben. Ihr Fleiß und Ihre Beharrlichkeit verdienen besondere Anerkennung. Der Nutzen Ihrer Publikation steht außer Frage. Ich wünsche den Bänden, daß sie gut angenommen werden." Prof. Dr. Ralf Moritz (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut)

"Mit großem Interesse studiere ich Ihre Ausgabe vom Daodejing, die interessanteste Ausgabe, die mir bis jetzt begegnet ist." Ulrich Hasler (Trogen, Schweiz)

"Ein herrliches Buch, wenn man sich mit dem Daodejing vertieft auseinandersetzen will. Die einzelnen Kapitel werden im Orginal und in einer deutschen Übersetzung dargestellt - mit dem Zeichenlexikon kann das Bedeutungsspektrum der einzelnen chinesischen Zeichen erschließen." Taoismus-Board

"Ich danke Ihnen sehr für die beiden so hervorragenden Bände zu Laozi. Ich habe darin bereits etwas lesen können, bin begeistert, v.a. aufgrund der Authetizität des Wiedergegebenen. Nach meinen bescheideneren Kenntnissen in Bezug auf Laozi vermute ich, dass Sie der Erste sind, der den alten Chinesen für den deutschen Leser so gründlich aufgearbeitet hat." Peter Gehrisch

"Hochachtung! Profund, ergiebig, einer der wenigen echten Beiträge, die weiterführen!" Dr. Hilmar Klaus

"Neben der deutschen Übersetzung werden auch die chinesischen Schriftzeichen des verwendeten Originaltextes wiedergegeben, was diese Ausgabe zur Ausnahme unter den deutschen Übersetzungen macht. Im zweiten Band geht der Verfasser detailliert auf die Bedeutung einzelner chinesischer Schriftzeichen ein. Auch dies wird von anderen deutschen Ausgaben nicht geboten und bietet besonders demjenigen neue Möglichkeit, der sich über das normale Maß hinaus mit dem Text auseinandersetzen will." Matthias Claus, Das klassische China, Weinheim

"Im Jahr 2011 erschien nun der dritte und abschließende Band von Viktor Kalinke Nichtstun als Handlungsmaxime mit sehr detaillierten und nuancierten Ausführungen zum Inhalt und Wesen des Daodejings. Eine aus meiner Sicht sehr umfassende und gelungene Zusammenfassung zum aktuellen Forschungsstand sowie eine ausgesprochen einfühlsame und beeindruckende Darlegung der Weltsicht vor dem philosophisch-menschlichen Hintergrund des Daodejing. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!" Matthias Claus, Das klassische China

Weitere Übersetzungen / Nachdichtungen

Große Hymne an die Erde - 63 Verse des Atharvasamhita, bearbeitet nach der Übersetzung von Klaus Mylius, 2001

Juan de la Cruz, Dunkle Nacht, mit dem Essay „Das christliche Residuum“, 2002

Gintaras Grajauskas, Knochenflöte - Gedichte: litauisch - deutsch, 2003 (mit Mala Vikaite)

Laurynas Katkus, Tauchstunden - Gedichte: litauisch - deutsch, 2003 (mit Mala Vikaite)

Sergej Birjukov, Jaja Dada, Gedichte: russisch - deutsch, 2004 (mit Mala Vikaite, Henrike Schmidt, Bernhard Sames u.a.)

Miloš Crnjanski, Ithaka. Aus dem Serbischen nach Vorlagen von Stevan Tontić & Cornelia Marks, 2008

Hörbücher

Große Hymne an die Erde - 63 Verse des Atharvasamhita, 2002

Ithaka- Hörbuch, gesprochen von Miloš Crnjanski und Viktor Kalinke, 2009

Beiträge in Anthologien

Bewahrte Texte (Reihe VerSuche der Autorengemeinschaft Ostthüringen 1990)
Monolog des Sandes (Schriftsteller Assoziation Dresden 1992)
„Spinne“ (Buchlabor Dresden 1991, 1992, 1993)
Warteräume im Klee (Schriftsteller Assoziation Dresden 1994)
"Dresden", in: Der heimliche Grund. 69 Stimmen aus Sachsen (Kiepenheuer Leipzig 1996)
"Blickgespräch", in: Bergschäden (Styx96 Augsburg 1998)
Psibrjonzne Kamjenje - ins Niedersorbische übersetzt von I. Hustetowa (Serbska Pratyja 1999)
Erst die Linke, dann die Rechte“ (Leipzig 2000)
„Fabeln und Phantasien, bildhaft codiert - Über Marion Quitz“, Ostragehege 33 - 1/2004
"Flüsse und Pflanzen - Wie lange dienst du mir / Natur / zum Gleichnis", in: Brandsanierung 3, 2005
"Frankfurt", in: Jahrbuch der Lyrik 2004/05 (C.H. Beck München)
"Chemnitz gebucht", in: Jahrbuch der Lyrik 2006/07 (S. Fischer Frankfurt)
Djeti Ra. Journal für Literatur und Kunst (Moskau 2005)
DIAPASON. anthologie russischer und deutscher gegenwartslyrik, Universität Natalja Nesterova (Moskau 2005)
Augsburg: Ausgeburt, in: "Aus Brunnen-Mündern", Sonderheft Ostragehege, poln-dt., 2006
Inskriptionen No. 1, denkporno, Leipzig 2008
Inskriptionen No. 2, paranoia, pink, Leipzig 2009
Inskriptionen No. 3: mondgefleckt, elektrisch, Leipzig 2010
Inskriptionen No. 4: echofrakturen, Leipzig 2011
Meine Poetik, in: Hermetisch offen, hg. von Ron Winkler, Berlin 2008
"Die sarmatischen Jahreszeiten", in: "Es gibt eine andere Welt", hg. von Andreas Altmann & Axel Helbig, poetenladen Leipzig, 2010

Beiträge in Künstlerbüchern und Ausstellungskatalogen

Marion Quitz, Echo der Stille. Skizzen aus Ägypten, zweisprachig engl.-dt., Leipzig 2000
Thomas Baumhekel, Zerbrochenes Holz, dreisprachig dt.-engl.-chin., Leipzig 2000
Nina Mordowina (Hg.), Neue russische Kunst, Leipzig 2001,
Thomas Wolf, Nachbarschaften. Im kleinen Kreis. Sektor 1, Leipzig 2001
Bertam Kober: Freiheit macht Arbeit. Fotografien und literarische Porträts zum Rechtsradikalismus in Ostdeutschland, Leipzig 2001
Michael Triegel, Radierungen zu „Dunkle Nacht“ von Juan de la Cruz, Leipzig 2002
Dresden, 1. Mai 1989 - Bilder eines unbekannten Fotografen, Leipzig 2009
Im Schatten der Kolossalfiguren, Leipzig 2009

Zum poetischen Dialog zwischen Miloš Crnjanski und Viktor Kalinke

Sehnsucht: Städte: Wanderer

von HEINZ WEISSFLOG, OSTRAGEHEGE 34 11/2004

Sumatra, eine zu Indonesien gehörende Insel im Indischen Ozean, war für den serbischen Dichter und Schriftsteller Milos Crnjanski sowohl Ort als auch Inbegriff des Idealischen und fiktive Zuflucht, eine Welt, die Natur und Mensch zu einer paradiesischen Einheit verband. Zu ihr aufschauend, spornten sie ihn zu Versen an, die wie im Traum die fernöstliche Koralle in die heimatliche Kirschblüte verwandelt. Doch Sumatra ist nicht nurschwärmerischer Heilsort, sondern vor allem Distanz, die die Heimat wieder wertvoll erscheinen ließ, lebte doch der Autor bis 1965 im Londoner Exil. Milos Crnjanski(1893 1977) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des serbischen Expressionismus und wurde vor allem durch seine Gedichtzyklen zur griechischen Antike (»Lyrik Ithakas«) und zur chinesischen Philosophie bekannt. Städte Italiens wie Florenz oder Venedig haben den Dichter besonders inspiriert, so wie Orte in Serbien, die er nichtverklärt, sondern in ihrer kulturellen und geografischenBedeutung dem fernen Sumatra, das er nie sah, gleichstellt. Der Leipziger Autor und Herausgeber Viktor Kalinke hat sich längere Zeit mit der Dichtung Crnjanskis beschäftigt und ist in dem Buch »Herbst auf Sumatra« mit eigenen Gedichten auf den Spuren des Serben in einen poetischen Dialog getreten. In dem Band sind den drei Kapiteln programmatisch jeweils ein Gedicht Crnjanskis vorangestellt, die mit der Sehnsucht nach Sumatra, den Städten und der lebenslangen Wanderschaft des Dichters zu tun haben, gleichsam als freier Bezugspunkt und Leitmotiv der eigenen Poetik. Kalinke versucht, das Phänomen Sumatra auf das eigene Erleben und Dichten zu projizieren, prüft die Wertigkeit des poetischen Ichs im Vergleich mit dem Meister. Aus dem Indischen Ozean wird so die Ostsee, aus dem exotischen Mädchen am Strand die eigene Geliebte. Durch die Aufnahme des Themas kommt es zu einer zweifachen Brechung: Die fiktive Welt Crnjanskis, aus der Not des eigenen Schicksals geformt, dient Kalinke als Folie für seine Wirklichkeitsverarbeitung, die ihrerseits wieder ins Fiktive umschlägt, womit sich der Kreis des Dialoges schließt. Überall aber ist die Einsamkeit des poetischen Ichs spürbar, als Zeichen innerer Verwandtschaft aller Dichter, die in dem Satz Kalinkes kulminiert: » ... sie lieben die Einsamkeit aber ertragen sie nicht allein« (der früh verstorbenen Beatrix Haustein gewidmet, von der im letzten Heft Gedichte zu lesen waren). Kalinke schreibt über Städte und Reisen, Schnittpunkte, an denen er den dichterischen Wegen Crnjanskis begegnete, über Orte, Helden und Dichter, aber auch über ganz Intimes und ordnet die Gedichte, die nicht immer eigens zum Zwecke des Dialoges geschrieben wurden, in freier Art dem Rahmen zu, den die ausgewählten Gedichte Crnjanskis vorgeben. Dabei benutzt er eine eigenwillige Interpunktion: Wort und Vers sind immer durch den Doppelpunkt getrennt, gleichsam als Denkpause, aber auch als Verweis auf das nächstfolgende Wort, wodurch sich eine ungewohnte Spannung beim Lesen einstellt. Dem Dialog ist ein Nachwort des Autors beigefügt, in dem er seine Auseinandersetzung mit dem Werk Crnjanskis kommentiert und sich als Eingeweihter der chinesischen Schrift und Philosophie zu erkennen gibt. In ihm beklagt er eine gewisse Interesselosigkeit der Experten, vor allem aber eine bedauerliche Geringschätzung bei der deutschen Literaturwissenschaft, die zur Folge hatte, dass kaum eine gültige Übersetzung existiert und die wissenschaftliche Forschung das Werk Crnjanskis nahezu übersah. Auch mit der Rezeption des wenigen, was in deutscher Sprache vorhanden ist, steht es nicht gut. So ist der Dialog Kalinkes gleichwohl eine Anregung für Leser und Fachleute, ins Gespräch mit der modernen serbischen Literatur zu kommen.

 




 

Essay zum 1. Kapitel des Daodejing
Zur Übersetzung von ITHAKA

Interview mit POLITIKA
Interview mit SZ
Interview mit der LVZ
Interview mit dem MDR

Vertonte Gedichte